Ansichten eines Konservativen

Ein Plädoyer für rationales Denken


Du musst stets daran denken, was die Natur des Ganzen und was die deinige sei, wie diese sich zu jener verhalte, welch ein Teil und von welchem Ganzen sie ein Teil sei, und dass niemand dich hindern könne, in steter Übereinstimmung mit der Natur, von welcher du ein Teil bist, zu handeln und zu reden.

Kaiser Marc Aurel (121-180 n. Chr.)


Inhaltsverzeichnis

    1. Vorwort

    2. Grundsätze eines Konservativen

    3. Eine Ideologie, ein Mittel zur Irreführung

    4. Gedanken über die Bereitschaft, etwas zu glauben

    5. Der Mensch im Irrgarten seiner Hoffnungen

    6. Schlusswort


Vorwort

Ich fühle mich so wuschig“, das erklärte mir neulich ein Bekannter in gutem Sächsisch mit Hinweis auf das, was unsere maßgebenden Politiker anrichten und für richtig finden. Ich kannte diesen Ausdruck nicht, merkte aber sofort am Wortlaut, dass er auch meine Stimmung beschreibt, eine Stimmung, in der man sich angesichts der politischen Ereignisse die Frage stellt: „Lebe ich noch in der Realität oder träume ich ?“ Illusionen prägen die Politik in unserem Lande. Man denke an Frau Merkel, die mit dem Wunsch nach größerer „ethnischer Vielfalt“ im eigenen Land in der Art eines entrückten, selbstherrlichen religiösen Fanatikers den Deutschen Millionen von Arabern und Afrikanern usw. als Neubürger“ aufzwingen will. Dieses völlig illegale Experiment kann mit der als kriminell zu wertenden Verbreitung eines unerprobten Medikaments verglichen werden. Frau Merkel geht bei ihren äußerst folgenschweren Entscheidungen von höchst vereinfachten, realitätsfernen Weltbildern aus und lässt sich dabei nicht von widersprüchlichen, negativen Erfahrungen verunsichern. In diesem Wahnsinn wird sie durch die unkritische Haltung ihrer Gefolgschaft bestärkt.

Es war einmal anders, wie folgende Zitate belegen:

Deutschland muss Zuwanderung stärker steuern und begrenzen als bisher. Zuwanderung kann kein Ausweg aus den demografischen Veränderungen in Deutschland sein. Wir erteilen einer Ausweitung der Zuwanderung aus Drittstaaten eine klare Absage, denn sie würde die Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft überfordern. Verstärkte Zuwanderung würde den inneren Frieden gefährden und radikalen Kräften Vorschub leisten. Aus dem Wahlprogramm der CDU von 2002

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen !“ Helmut Schmidt

Die Vorstellung, dass eine moderne Gesellschaft in der Lage sein müsste, sich als multikulturelle Gesellschaft zu etablieren, mit möglichst vielen kulturellen Gruppen, halte ich für abwegig. Man kann aus Deutschland mit immerhin einer tausendjährigen Geschichte seit Otto I. nicht nachträglich einen Schmelztiegel machen.” Helmut Schmidt, Frankfurter Rundschau, 12. September 1992

Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen." Helmut Schmidt, Die Zeit, Nr. 18/2004, 22. April 2004

Aber wenn man fragt, wo denn multikulturelle Gesellschaften bislang funktioniert haben, kommt man sehr schnell zum Ergebnis, daß sie nur dort friedlich funktionieren, wo es einen starken Obrigkeitsstaat gibt. Insofern war es ein Fehler, daß wir zu Beginn der 60er Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten." Helmut Schmidt, Hamburger Abendblatt, 24. November 2004

Der Illusionismus, die Überheblichkeit und der Starrsinn Frau Merkels erinnern manch einen an Adolf Hitlers Verhalten in der Endphase des zweiten Weltkriegs - man denke an die Beschwörung des Endsiegs. Mit lobenden Worten wie z.B. „Ihr könnt stolz auf Euch sein!“ versuchte sie, die Deutschen für ihre leichtfertige Politik zu gewinnen. Es sind Mittel, mit denen man Rindvieh auf dem Weg zur Schlachtbank folgsam hält.

Bekanntlich ist ein Lob nicht immer Ausdruck einer Wertschätzung, oft verbirgt sich dahinter wie in der Fabel „Der Rabe und der Fuchs“ des französischen Dichters Lafontaine eine unseriöse Absicht. Wenn z.B. Frau Merkel von wirklich Mächtigen dieser Welt für ihre Asylpolitik gelobt und als mächtigste Frau gepriesen wird, dann kann dies wie folgt ausgelegt werden: Wirklich Mächtige ermuntern Frau Merkel zu eigenem Nutzen, die für Deutschland nachteilige Asylpolitik fortzusetzen, lassen sie eigenständig und klug erscheinen, um zu vertuschen, dass sie eine Marionette in ihren Händen ist. Dies gelingt ihnen so gut, dass Frau Merkel in ihrer Selbstherrlichkeit selbst darauf hineinfällt.

Es scheint, als handelten unsere führenden Politiker nach dem wilhelminischen Grundsatz: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen !“ Meinen diese, Lehrmeister für Franzosen sein zu können, die in den Vorstädten von Paris, Lyon und Marseille die von Frau Merkel gewünschte Vielfalt sehr negativ erleben ?

Eine starke Opposition ist dringend erforderlich, damit die Merkelsche Politik in Grenzen gehalten werden kann. Viele Bürger befürchten zu Recht, dass die Deutschen wieder einmal unter der Führung selbstherrlicher Politiker in den Abgrund taumeln, wobei ganz Europa schweren Schaden nimmt. Sie wünschen sich deshalb verantwortungsbewusste nach ihrem Amtseid in deutschem und europäischem Interesse handelnde Politiker, die sich nicht an Illusionen sondern an Erfahrungen und daraus resultierenden Einsichten orientieren. Frau Merkel und ihre Gefolgschaft sind verantwortlich für viele verhängnisvolle politische Fehlleistungen der letzten Jahre. Zu nennen sind unter anderem:

    1. eine einheitliche Währung für Europa trotz großer Unterschiede in der Wirtschaftskraft und Mentalität der Teilnehmer,

    2. die Maßnahmen zu seiner Erhaltung und die damit einhergehenden Vertragsbrüche,

    3. die durch den trügerischen, unbedachten Lockruf „Willkommenskultur“ kaum beherrschbar gewordene, massenhafte Einwanderung von Arabern, Afrikanern , Pakistani und Afghanen nach Deutschland mit ihren negativen Folgen für ganz Europa,

    4. die gesetzeswidrige Duldung und großzügige Unterstützung von fremden Menschen, deren Asylanträge abgelehnt wurden und

    5. die Zerstörung unseres einst weltweit anerkannten Bildungssystems.

Für einen Konservativen ist eine derart auf Wunschdenken gegründete Politik unerträglich. Erfahrungen und daraus gezogene Einsichten bilden seine Leitlinien, nicht aber Ideologien, unrealistische Rezepte zur Erschaffung einer völlig neuen, besseren Welt. Er ist kritisch eingestellt gegenüber teilweise sehr fragwürdigen Glaubenssätzen, welche zu Leitgedanken der Politik geworden sind und hält es für seine Pflicht, diese zu hinterfragen. Mit den in dieser Abhandlung formulierten Ansichten eines Konservativen, die vor zwei oder drei Jahrzehnten sehr wahrscheinlich noch als Ausdruck eines gesunden Menschenverstandes gegolten hätten, möchte ich im Rahmen meiner Möglichkeiten dem wahnsinnigen Treiben unserer Politiker etwas entgegensetzen.

Ich will nicht, dass mir einst von meinen Enkeln vorwurfsvoll die Frage gestellt wird: „Warum hast du dich nicht der Politik fanatischer Ideologen entgegen gestellt?“ Eine Frage, die sich unsere Eltern und Großeltern nach dem zweiten Weltkrieg gefallen lassen mussten.

Beim Verfassen der hier vorliegenden Schrift beschäftigte mich immer wieder die Frage: „Warum folgen die Deutschen wieder einmal wie Lemminge abgehobenen Politikern, die sie mit lobenden Worten wie z.B. »Ihr könnt stolz auf Euch sein!« in den Abgrund taumeln lassen ?“ Gedanken dazu sind im 4. und 5. Kapitel dieser Schrift.

Wenn einem Konservativen unterstellt wird, sein Denken und Handeln sei Ausdruck einer nationalistischen, vielleicht sogar einer fremdenfeindlichen Grundhaltung, dann ist dies eine Zwecklüge ideologisch geprägter Fanatiker. Solche Fanatiker hassen konservative Bürger, weil diese sich ihnen nicht fügen wollen. Als Teil einer abgehobenen Elite“ quittieren sie nicht selten Zweifel an ihrer Unfehlbarkeit mit unflätigen Beschimpfungen. So war von dem CDU-General Peter Tauber in seinem Wahlkreis vor dem Jubel-CDU-Parteitag für Merkel am 15.12.2015 zu hören: Wer nicht für Merkel ist, ist ein Arschloch !“ Der ehemalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla ärgerte sich im Jahr 2011 im Bundestag im Streit um den Eurorettungsfond so sehr über seinen Parteikollegen Wolfgang Bosbach, dass er ihn anschrie: Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen! Du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt ! Lass mich mit so einer Scheiße in Ruh !“

Merkels Anhänger behaupten immer wieder, ihre Kritiker könnten keine Lösungswege zu den schwierigen Problemen unserer Zeit anbieten. Sie wollen nicht erkennen, dass sie zusammen mit ihrer Kanzlerdiktatorin das Hauptproblem sind.

Angesichts desaströser Entwicklungen in Europa können die folgenden Zeilen Mut machen, die der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz in seinem Buch „Die Rückseite des Spiegels“ geschrieben hat:

»Gewiß, die Lage der Menschheit ist heute gefährlicher, als sie jemals war. Potentiell aber ist unsere Kultur durch die von ihrer Naturwissenschaft geleistete Reflexion in die Lage versetzt, dem Untergang zu entgehen, dem bisher alle Hochkulturen zum Opfer gefallen sind. Zum erstenmal in der Weltgeschichte ist das so.«

Wer glaubt, dass Merkels verhängnisvolle Migrationspolitik einmalig in der Geschichte sei, der irrt sich. Die Chinesen haben im 3. Jhd nach Chr. unter einer Kaiserin, die auch vor Giftmorden nicht zurückschreckte, ihr Reich auf eine solche Art zugrunde gerichtet. Der chinesische Gelehrte Jiang schrieb damals an den Kaiserhof (siehe Tichys Einblick):

[Die Barbaren] unterwerfen sich und sind gehorsam, wenn sie uns unterlegen sind. Hingegen rebellieren sie und fallen in unser Land ein, wenn sie stark sind. Selbst Heilige Menschen [wie Konfuzius] oder Große Herrscher können sie nicht zivilisieren, sondern nur durch Wohltaten besänftigen. […] Wenn wir ein Land regieren, dann liegt das Problem nicht in der Armut, sondern in der Ungleichheit. Entsprechend besteht die Besorgnis nicht in der Bevölkerungszahl, sondern in dem sozialen Unfrieden. Das Land innerhalb der Vier Meere [China] ist groß. Sowohl das Volk, als auch die Edelleute sind reich. Wozu brauchen wir Barbaren im Land, um die Bevölkerung zu mehren? All diese Leute können zur Rückkehr an die Heimat angewiesen werden. Dadurch würde nicht nur die Heimwehe der Fremden befriedigt, sondern auch eine Sorge von uns Chinesen genommen. Dies wäre zum Vorteil des Reichs der Mitte und würde alle umliegenden Regionen befriedigen. Es wäre eine Wohltat, die an alle Generationen weitergereicht würde. Dies wäre eine langfristige Strategie.“

(Jiang Tong, „zur Umsiedlung der Barbaren“(徙戎論), 299 n. Chr.)


Ein AfD-Wähler



Grundsätze eines Konservativen

Mit dem Wort „konservativ“ wird angezeigt, dass etwas bewahrt werden soll.

Was soll bewahrt werden?

Es ist ein gefälliges Umfeld mit Menschen, an die man gerne denkt und für die man sich bereitwillig einsetzt. Es sind die kulturellen Leistungen unserer Vorfahren, man denke an Umgangsformen, an unsere Kulturlandschaften, an Baudenkmäler, sowie an wissenschaftliche und künstlerische Leistungen.

Der Konservative achtet das kulturelle Erbe, denn er weiß, dass die Natur den Menschen so angelegt hat, dass er etwas haben muss, an das er sich gerne erinnert, was er fördern bzw. zum Besseren gestalten möchte und dass die Übereinstimmung in der Wertschätzung kultureller Leistungen Menschen verbindet. Im Hinblick auf die Entwicklung seines Landes hat er besonders seine Kinder und Enkel im Sinn, denen er ein für sie günstiges Umfeld hinterlassen möchte.

Er sieht seine Abhängigkeit von seinen Mitmenschen; ihm ist bewusst, dass er mit einem Leben ohne Bezug zu ihnen gefühlsmäßig verarmt, sich bodenlos fühlt, dementsprechend unsicher wird und eine Neigung zu Fehlverhaltensweisen spürt. Dies ist aus der Evolution heraus zu verstehen, denn unsere Gefühle sind zur Erhaltung unserer Art als Kollektiv und nicht zur Erhaltung eines Einzelindividuums angelegt. Deshalb möchte er vorwiegend Menschen in seinem Umfeld haben, die er sympathisch findet, zu denen er eine emotionale Bindung entwickeln kann. Er weiß, dass dies nicht mit jedermann möglich ist. Für ihn ist es eine Binsenweisheit, dass es Menschen gibt, die miteinander harmonieren und solche die nicht zueinander passen. Er wagt sogar zu sagen, dass die Natur Frauen und Männer ihren Aufgaben entsprechend emotional unterschiedlich veranlagt hat und ist nicht der Meinung, dass der Mensch quasi als unbeschriebenes Blatt geboren wird und seine „Menschlichkeit“ erst durch die Gesellschaft erhält, wie dies von machen politisch tätigen, einflussreichen Personen zu hören ist. So schreibt z.B. der anerkannte, einstige Nachrichtensprecher Ulrich Wickert in seinem, die „Unmoral“ unserer Gesellschaft anprangernden Buch „Der Ehrliche ist der Dumme“:

»Doch genauso wenig wie der Mensch mit einer ausgebildeten Vernunft zur Welt kommt, steckt in ihm schon bei der Geburt der Kern einer Moral. Durch die Vernunft ist er zur Moral fähig, mehr nicht. Die Gesellschaft, in der er aufwächst, wird ihn mit den Werten und Tugenden vertraut machen, die sein Streben und Handeln so beeinflussen sollen, damit er ein Mensch wird, wie ihn die Gesellschaft haben will.«

Ulrich Wickert übersieht bei seiner in sich widersprüchlichen Behauptung (der Mensch kommt ohne den Kern einer Moral zur Welt ist aber durch die Vernunft zur Moral fähig, obwohl ihm diese zunächst auch fehlt), dass die weitgehend genetisch bedingten Emotionen, die wir in Bezug auf diese und jene Menschen entwickeln, entscheidend dafür sind, ob wir uns moralisch bzw. unmoralisch fühlen, ob wir unser Handeln als vernünftig bzw. unvernünftig ansehen. Sympathie und Antipathie sind Gründe für Hilfe bzw. deren Verweigerung. Auch die Bereitschaft, jemandem zu glauben oder ihn als Lehrer zu akzeptieren hängt von solchen Gefühlen ab. Deshalb sind die Ursachen für Kriminalität auch in der Zusammensetzung einer menschlichen Gesellschaft zu suchen. Wer meint, man könne Menschen wie Spielfiguren umsiedeln, weil sie angeblich geistig und emotional gleich veranlagt seien, der sorgt für wachsende Kriminalität.

Friedrich Nietzsche (1844–1900): »Hinter den Gefühlen stehen Urteile und Wertschätzungen, welche in der Form von Gefühlen (Neigungen, Abneigungen) uns vererbt sind.«

Unsere Moral hat ihre Wurzeln nicht in Religionen (zehn Gebote) oder Ideologien, wir verdanken sie emotionalen Erfahrungen im gesellschaftlichen Umgang miteinander. Was gut und böse ist, wird zuerst so empfunden, bevor es zum Guten oder Bösen erklärt wird. Der bekannte Philosoph und Journalist Gerhard Szczesny schreibt hierzu in seinem Buch „Das sogenannte Gute“ :

»Könnte man die Lorenzschen Buntbarsche oder Graugänse oder Ratten mit den intellektuellen Fähigkeiten des Menschen ausstatten, würden sie vermutlich aus ihren vorgeprägten Verhaltensweisen ethische Postulate machen und hätten dann den Eindruck, daß ihr Verhalten von diesen Postulaten hervorgerufen worden ist.«

Moralische Grundsätze wurden zu göttlichen Geboten erhoben und Qualen in der von den Christen erfundenen Hölle angedroht, falls diese Gebote nicht eingehalten werden. Durch diese Vergöttlichung verlieren die Grundsätze ihren eigentlichen Bezug und werden auch dann noch für richtig gehalten, wenn sie nicht mehr zeitgemäß sind. Man denke an das unter Muslimen geltende Essverbot für Schweinefleisch und an das gegen unser Tierschutzgesetz verstoßende Schächten von Tieren. Als Gottes Gebote werden sie universalistisch ausgelegt. Waren sie ursprünglich für die Mitglieder eines Volkes gedacht, so sollen sie als göttliche Gebote für alle Menschen auf der Erde gelten.

Die islamischen Scharia wird unter Muslimen als ein von Gott (Allah) gegebene Gesetzessammlung verkündet. Eine solchen Auffassung bewirkt bei den meisten Europäern völliges Unverständnis, denn während der Aufklärung im 18. Jhd. wurden in Europa die bekannten Offenbarungsreligionen in Frage gestellt. Schon Goethe – er nannte sich einen dezidierten Nichtchristen- konnte es wagen, sie in seiner für die Universität Straßburg verfassten juristischen Doktorarbeit als menschliches Machwerke zu beschreiben (siehe Goethe: „Dichtung und Wahrheit, 11. Buch“). Der mit der Aufklärung einhergehenden Entmachtung der Christlichen Kirchen haben wir zu verdanken, dass bei uns Kriege aus religiösen Gründen, Hinrichtungen wegen Unglaubens und Hexenverbrennungen der Vergangenheit angehören. Es ist die Prägung durch die Aufklärung und nicht die durch die sogenannte „Christlich-Jüdische Religion“, die uns den Islam als unannehmbar erscheinen lässt.

Jedes Volk hat seine eigene Moral. Eine Moral der Menschheit gibt es nicht. Es ist ein Irrglaube, dass eine angeblich „vernünftige“ Morallehre die Bildung einer Gemeinschaft vielleicht sogar einer „Weltgemeinschaft“ ermögliche. Pflichten und Rechte müssen einem Gemeinschaftsgefühl entsprechen, nur dann werden sie ernst genommen. Aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit entsteht eine Verfassung. Dieser Satz ist aber leider nicht umkehrbar. Einen von dem Soziologen Jürgen Habermas in einem gewissen Machbarkeitswahn propagierten „Verfassungspatriotismus“ gibt es nicht. Es handelt sich um eine leere Phrase.

Vor mehr als 200 Jahren hatte sich der preußische Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt, der Begründer der Berliner Universität, zu derartigen Begriffen sehr zutreffend geäußert. Als die französische Nationalversammlung 1791 plante, die Bürger ihres Staates nach Grundsätzen der „Vernunft“ zu lenken, schrieb er an einen Freund:


»Was im Menschen gedeihen soll, muss aus seinem Inneren entspringen, nicht ihm von aussen gegeben werden, und was ist ein Staat, als eine Summe menschlicher wirkender und leidender Kräfte. Die Vernunft hat wohl Fähigkeit, vorhandenen Stoff zu bilden, aber nicht die Kraft, neuen zu erzeugen. Diese Kraft ruht allein im Wesen der Dinge, diese wirken, die wahrhaft weise Vernunft reizt sie nur zur Thätigkeit, und sucht sie zu lenken. Hierbei bleibt sie bescheiden stehen. Staatsverfassungen lassen sich nicht auf Menschen, wie Schösslinge auf Bäume pfropfen. Wo Zeit und Natur nicht vorgearbeitet haben, da ists, als bindet man Blüthen mit Fäden an. Die erste Mittagssonne versengt sie.«

Wilhelm von Humboldt 1767-1835


Konservative verstehen eine gesellschaftliche und persönliche Entwicklung als einen nicht nach irgendwelchen Theorien voraussagbaren, evolutionären Wachstumsprozess in kleinen Schritten, den man hier und da regulieren, aber erst im Nachhinein richtig bewerten kann. Deshalb mahnen sie zur Vorsicht, wenn sich große gesellschaftliche Änderungen anbahnen. Sie bezichtigen zu Recht diejenigen Politiker einer verbrecherischen Fahrlässigkeit, welche die Masseneinwanderung aus arabischen und afrikanischen Ländern in Deutschland zur Beschwichtigung der Bürger im Vorhinein für gut erklärten, die gegen besseres Wissen die sogenannten „Geflüchteten“ als Fachkräfte anpriesen. Eine Bewertung ist immer erst im Nachhinein möglich. Auch dies ist eine Binsenwahrheit, die leider für viele Politiker nicht zu gelten scheint. Diese denken offensichtlich nicht daran, dass sie Irrtümern mit verhängnisvollen Folgen für nachfolgende Generationen erlegen sein könnten, dass sie möglicherweise Kuckuckseier ausbrüten und die wenigen, für die Entwicklung der Menschheit notwendigen Inseln der Stabilität in einer sich chaotisch entwickelnden Welt zerstören. Sie nennen ihr Verhalten alternativlos und tun damit etwas, was bisher nur Päpsten vorbehalten war, sie verkünden ein neues Unfehlbarkeitsdogma. Hoffentlich wird Europa durch sie nicht so geschädigt, dass sie bald als Totengräber Europas gelten.
In einem Interview mit dem Deutschlandfunk (Berliner Kurier, 9.9.2015) äußerte der britische Politologe und Terrorforscher Prof. Anthony Glees (University of Buckingham) die Befürchtung, dass durch die aus seiner Sicht hirnlose, EU-Regeln verletzende Flüchtlingspolitik des Hippie-Staats Merkel-Deutschland die Europäische Union auseinanderfallen könne.

Der Konservative orientiert sich an Erfahrungen und nicht an „Glück“ verheißenden Utopien, die mit irgendwelchen Ismen (Sozialismus, Liberalismus, Nationalismus...) verkündet werden; er fragt: “Was ist möglich, und was sagt mir hiervon am meisten zu?“ Er lebt mit der Zuversicht, dass sich immer wieder etwas ergibt, was zur Verbesserung der Lebensverhältnisse beiträgt. Er setzt auf kulturelle Evolution. Erkennt er, dass eine Lebensart im Vergleich mit anderen Lebensformen besser ist, dann übernimmt er sie. Das „absolut Richtige, bzw. absolut Gute“ kennt er nicht. Er zeichnet sich oft durch eine gewisse Schicksalsergebenheit (Gottvertrauen) aus. Für ihn gilt: Rückbesinnung ist angebracht. Wer nicht zurück schaut, kann auch nicht voraus schauen, denn eine realistische Vorausschau besteht fast immer in einer Extrapolation dessen, was geschehen ist. Nur mit der Rückschau gewinnt ein Mensch ein klares Bild seiner selbst, welches ihm Sicherheit gibt, seinem Leben Stetigkeit verleiht und ihn vor Handlungen bewahrt, die nicht zu ihm passen. Der Konservative hält es für falsch, wenn eine Gesellschaft einseitig nach kurzfristigen ökonomischen Aspekten bewertet wird. Für ihn ist der Mensch mehr als ein homo oeconomicus. Ein völlig von Nützlichkeitserwägungen bestimmtes Leben lehnt er ab und achtet darauf, dass er rückschauend mit seinem Leben zufrieden ist und mit Zuversicht sagen kann: „So kann es weitergehen“. Wenn er das sagen kann, dann hat sein Leben einen Sinn, er hat Erfahrungen gemacht, von denen er sich gerne lenken lässt.


»Unsere Hauptaufgabe ist nicht, zu sehen, was in vager Ferne liegt, sondern nur das zu tun, was das Nächstliegende ist.«

Thomas Carlyle (1795-1881)


Zukunftsvisionen haben für ihn keine große Bedeutung. Er denkt: Eine gute Zukunft kann nur derjenige erwarten, der in der Gegenwart lebt, sich seiner Vergangenheit bewusst ist und sich an eine unsichere Zukunft gewöhnt hat. Ohne Wenn und Aber ist das zu tun, was aus der jeweils gegenwärtigen Sicht vernünftig und gut erscheint. Einen besseren Lebensstil gibt es nicht. Sicherheit gibt eine klare, in einzelne Schritte gegliederte Vorstellung des eigenen Handelns. Schrittweises Vorankommen muss erlebt werden. Alltägliche Handlungen sind mit Bedacht und der Bereitschaft zur Variation auszuführen, damit man erfahren kann, welches Verhalten einem gut tut.

Die Gesichter vertrauter Personen sollten wir als Bilder in uns tragen. Wir müssen sie uns immer wieder ins Gedächtnis rufen.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst !“, dies ist die entsprechende christliche Forderung. Der Mensch ist nun einmal kein eigenständiges Wesen, sondern Teil eines größeren Ganzen. Die christliche Forderung ist zur Begründung einer sogenannten „Willkommenskultur“ ungeeignet, die für alle Menschen der Welt gelten soll. Der Nächste ist nicht irgendjemand, sondern eine Person, mit der man vertraut ist.



Eine Ideologie, ein Mittel zur Irreführung

Der Konservative bezieht seine Lebenskraft aus seinem Umfeld und seiner Vergangenheit und nicht aus den Glück verheißenden Zukunftsvisionen, welche mit vielgepriesenen Ideologien verkündet werden. Heutzutage huldigt man in Europa, besonders aber in Deutschland, einer Ideologie, nach der die gesamte „Menschheit“ ihr Glück in einer Welt ohne Grenzen findet, in der jedermann sich dort niederlassen kann, wo er dies will, in der sich die verschiedensten Ethnien miteinander vermischen und glücklich ohne kriegerische Auseinandersetzungen miteinander leben, in der es keine soziale Ungleichheit gibt. bunt statt braun“ heißt die Parole. Für eine solche Welt, die auf der politischen Wunschliste der deutschen Kanzlerdiktatorin Merkel ganz oben steht sie wünscht sich nach eigenen Worten ethnische Vielfalt in Deutschland, hat unter anderem auch einst der Diktator Stalin gekämpft. Hierzu waren Terror, Krieg und Massenmord erlaubte Mittel. In allen Ideologien wird eine neue, angeblich „bessere und „gerechtere“ und „glücklichere Welt“ vorgestellt, die nach Meinung ihrer Verfechter gegen alle Widerstände mit Macht geschaffen werden muss, wobei der Zweck die Mittel heiligt. Verbrechen werden als notwendiges Übel zu Wohltaten erklärt. Tradierte Lebensweisen, Gesellschaftsformen und Bewertungsmaßstäbe werden für die angeblichen Übel in dieser Welt verantwortlich gemacht z.B. soziale Unterschiede, geschlechtsspezifische Rollen von Männern und Frauen und die Abgrenzung gegenüber fremden Ethnien.

Immer noch haben jene die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen.“

Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770 - 1843),

deutscher evangelischer Theologe, Dramatiker und Lyriker

Nach Meinung der für eine angeblich „gute Welt“ kämpfenden Menschen sind diejenigen „böse“, welche die gerade beschriebene Einheitswelt für eine verhängnisvolle Utopie halten, die meinen, dass Menschen wegen unterschiedlicher Veranlagungen am besten in weitgehend homogenen Gruppen leben sollten, dass Landesgrenzen (Einfriedungen) als sinnvolle, dem inneren Frieden dienende Strukturelemente nötig sind, und soziale Unterschiede oft natürlichen Gegebenheiten entsprechen (siehe: Wozu Grenzen ?). Weltverbesserer malen Schreckensbilder für den Fall, dass sie ihre Pläne nicht verwirklichen können, deuten dementsprechend die Ablehnung ihrer Ideologie als Ausdruck von Bosheit oder Verstocktheit und neigen dazu, Menschen je nach Zustimmung in „Gute“ und „Schlechte“ und neuerdings nach Gauck in „Helle (Erleuchtete) “ und „Dunkle“ einzuteilen. Man denke an Robespierre, Marx und Lenin. Sie alle haben so geurteilt und die Ausrottung der Schlechten“ im Sinne einer „Weltverbesserung“ für moralisch gerechtfertigt gehalten. Für sie galt die aus der Französischen Revolution stammende Losung: Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag' ich dir den Schädel ein!“. Eine zeitgemäße Formulierung könnte so heißen: Und willst du nicht mein Bruder sein, so bist du ein böser Nazi und gehörst in die Tonne getreten !“

Bei den Reden unserer „postfaktisch“ agierenden Politiker zur Finanz- und Asylpolitik wie z.B. bei denen des selbstverliebt erscheinenden, ehemaligen Bundespräsidenten Gauck oder der Kanzlerdiktatorin Merkel beschleicht einen die Befürchtung, manch einer von ihnen könnte sich wie der ehemalige amerikanische Präsident George W. Bush von Gott (Vorsehung) zu „Großem“ berufen fühlen, möchte sich ein Denkmal setzen, und ein gewisser Größenwahnsinn mache ihn blind gegenüber den realen Gegebenheiten. In diesem Wahnsinn werden sie durch die unkritische Haltung ihrer Gefolgschaft bestärkt. Führer befiehl, wir folgen dir!“, dieser Ruf, der einst Adolf Hitler galt, entsprach der Haltung von Merkels Gefolgschaft während des CDU-Parteitags am 15.12.2015.

Alle Menschen sind gleich und sollen deshalb überall gleiche Rechte (Menschenrechte) haben.“ Dies ist der Grundsatz, auf dem die Kämpfer für eine Einheitswelt eine neue „Moral“ entwickelt haben, bei deren Umsetzung sich viele Menschen in unserem Land, die sogenannten „Gutmenschen“, als „gut“ bewähren möchten.

Als Gutmenschen werden diejenigen bezeichnet, die sich darin gefallen, im Sinne der herrschenden Moralapostel die „Guten“ zu sein, die deshalb negative Folgen ihres Handelns nicht sehen wollen, besonders dann, wenn sie kinderlos und vereinsamt ihr „gut gemeintes Handeln“ als sinngebend wahrnehmen. Sie setzen sich gegenwärtig für die von Merkel und Co. angelockten „Fachkräfte“ aus arabischen und afrikanischen Ländern ein, weil dies von den Leitmedien für gut geheißen wird. Gut gemeint ist in diesem Fall wie so oft das Gegenteil von gut. Viele unter ihnen entwerfen wie Pippi Langstrumpf ein Weltbild nach dem Leitsatz:„Ich mach' mir die Welt so, wie sie mir gefällt !“ Man kann von einem Pippi-Langstrumpf-Syndrom sprechen. Ihr Verhalten befriedigt ein Geltungsbedürfnis, es ist somit emotionaler Natur. Eine Diskussion darüber artet deshalb meistens in einen Streit mit Scheinargumenten aus. Immer wieder heißt es: Wir haben über Jahrhunderte Afrika ausgebeutet und damit unseren Wohlstand geschaffen. Deshalb sind wir nun zu einer Wiedergutmachung verpflichtet.

Die meisten Gutmenschen haben eine etwas unrealistische Vorstellung von den Afrikanern. Sie sollten vorsichtig sein, sonst könnte es ihnen so ergehen wie Dr. Albert Schweitzer, der sich schließlich enttäuscht zu rassistischen Äußerungen hinreißen ließ.

In den Focus Online-Nachrichten war am 17.3.2016 unter der Überschrift Sozialunternehmer aus der ganzen Welt arbeiten in Berlin an der Lösung der Flüchtlingskrise“ zu lesen, dass die stetig wachsende Szene des Sozialunternehmertums vor allem durch die Sinnsuche der jungen Generation befeuert werde. Verständlich wird dies, wenn man bedenkt, dass die Natur den Menschen im Laufe der Evolution mit dem Wunsch nach Anerkennung ausgestattet hat, damit er auch im Sinne einer Gemeinschaft handelt, der er sich zugehörig fühlt.

In einer Gesellschaft, in der man mehr nebeneinander als miteinander lebt, in der man meint, ohne Kinder besser leben zu können, wird vielen Menschen dieser Wunsch nicht erfüllt. Infolgedessen ist es nicht überraschend, wenn nicht selten zu hören ist: „Ich fühle mich überflüssig, mein Leben hat so keinen Sinn!“

Die verallgemeinerten Prinzipien eines vermeintlichen Gutseins verleiten zu völlig unangemessenem Handeln, welches bestenfalls als gut gemeint“ bezeichnet werden kann. Die Gutmenschen sind sich offensichtlich manchmal nicht darüber im Klaren, welche Auswirkungen die von ihnen zitierten „Menschenrechte“ haben. Nach deren Ansichten hat jedermann das Recht, sich dort niederzulassen, wo er dies möchte. Mit völligem Unverständnis und verärgert reagieren wohlhabende Gutmenschen jedoch dann, wenn man ihnen sagt, dass man auf einer ähnlichen Rechtsgrundlage einen Platz in einem ihrer schönen Ferienhäuser beanspruchen könne.

Als Herr Gauck 2015 weltweit die Deutsche Willkommenskultur verkündete, konnte man ihm anmerken, wie gut es tut, wenn man ohne persönliche Opfer als Wohltäter der Menschheit auftritt. Vielleicht sieht sich Herr Gauck wie der einstige, vielseitige, italienische Ministerpräsident Berlusconi als „Jesus der Politik“.

Der Gutmensch fühlt sich verpflichtet, für die Einhaltung der genannten Menschenrechte zu sorgen und hält dabei Ausschau nach Menschen, denen möglicherweise ein solches Recht verweigert wird. Schwarzafrikaner erklärt er zu Opfern des Kolonialismus und Leute auf den unteren Stufen der sozialen Rangordnung zu Opfern einer rücksichtslosen, nur auf ihren Vorteil bedachten Oberschicht. Er macht sich zu deren Anwalt, denn nach seiner Ansicht sind die Rechte dieser Menschen verletzt worden. Hilfen, die normalerweise bedürftige Mitglieder einer gewachsenen Gemeinschaft aus Solidarität erhalten, werden zu „Menschenrechten“ erklärt. Was ursprünglich aus sozialem Mitgefühl geschah, wird zu einer Pflicht gemacht, auf das der Bedürftige ein einklagbares Recht habe. Darunter leidet der Gemeinschaftssinn, zumal von dieser Rechtsauffassung viele Leute profitieren, die es aus der Sicht einer Gemeinschaft nicht verdienen. Mit Gesetzen (Antidiskriminierungsgesetz) will er Menschen zusammenzwingen, die nichts miteinander zu tun haben möchten und spricht dabei noch unbekümmert von der Freiheit des Einzelnen. Der Gutmensch möchte sich als mitfühlender Mensch wahrnehmen, er wird nicht von Mitgefühl geleitet, er sehnt sich danach. Der Gutmensch pflegt eine Art Erbsünde; er sieht sich als Mitglied einer sündigen Gesellschaft, die für viele Fehlentwicklungen in der Welt verantwortlich und somit zu deren Wiedergutmachung verpflichtet ist.

Mit dieser Erbsünde“ soll erreicht werden, dass sich die bestehenden bürgerlichen Gesellschaften für fremde Ethnien öffnen. Das Bewusstsein, sündig zu sein, hat eine zur Reue stimmende, besänftigende Wirkung. Unrecht wird leichter ertragen.

Da es dem Gutmenschen an starken Gefühlen für seine „edlen Absichten“ meistens fehlt, zeigt er auffallende Zurückhaltung, wenn er im Sinne seines Gutseins nennenswerte persönliche Opfer bringen soll. Er möchte sich angenehm fühlen, aber meistens auf Kosten der „weniger Guten“ und stellt deshalb sein Gutsein in der Hoffnung auf Anerkennung zur Schau z.B. bei einem „Welcome-Event“. Er gibt jedem Not leidenden Menschen auf dieser Welt ein Recht auf Hilfe. Dies bedeutet, dass aus allen Erdteilen arme Menschen in die Länder der Gutmenschen strömen, um ihr sogenanntes Recht einzufordern. Er spricht für ein Bleiberecht dieser Flüchtlinge, ist aber nur selten bereit, einem davon uneigennützig im eigenen Haus oder nahe der eigenen Wohnstätte langfristig ein solches Recht zu gewähren; seine Menschenliebe ist wie die eines Ablasspredigers oft nur theoretischer Natur. Wenn ein Gutmensch „jugendliche Flüchtlinge“ in seiner Wohnung aufnimmt, dann kann er reich werden, er erhält nämlich hierfür aus Steuergeldern pro „Flüchtling“ einen Tagessatz zwischen 130 € und 150 €. Von Nächstenliebe kann unter diesen Umständen nicht gesprochen werden.

Der Zustrom der „Flüchtlinge“ wird solange anhalten, bis sich die von Gutmenschen dominierten Länder nicht mehr wesentlich von denen unterscheiden, aus denen die Flüchtlinge kommen oder anders ausgedrückt, bis dank der vielen „Fachkräfte“, die aus Afrika zu uns kommen, die angeblich irgendeinmal für unsere alten, gebrechlichen, kinderlosen Gutmenschen arbeiten sollen, in Europa die „hohen“ sozialen, politischen und technischen Standards afrikanischer Länder - man denke an Zimbawe- erreicht werden. Dann allerdings werden unsere Gutmenschen, vielleicht verarmt und vertrieben, ihre Menschenrechte nirgendwo einklagen können.„Afrika den Afrikanern!“ Mit diesem Spruch demonstrierten Gutmenschen vor etwa 40 Jahren gegen weiße Kolonialisten in Afrika. Daran sollten sie sich erinnern.

»Die Fruchtlosigkeit oder gar Gefährlichkeit spekulativen Moralisierens ist begründet in der den Geist charakterisierenden und in der Tat wunderbaren Fähigkeit, jede Art von Lebensmodellen zu erdenken, ohne daß diese erdachten Modelle sich einer Prüfung durch die Realität stellen müßten. Das heißt, solange sich der Mensch nicht darüber im klaren ist, dass gewisse Grundtriebe nicht nur nicht ignoriert werden können, sondern das positive Fundament aller Moralität sind, wird er spekulative Verhaltensmuster postulieren, die -weil sie keine Rücksicht auf die reale Triebausstattung und Wirklichkeit nehmen – ohne Wirkung bleiben oder gar die instinktiv-humanitäre Intention störende und pervertierende Wirkung haben.«

Gerhard Szczesny in seinem Buch „Das sogenannte Gute“

In diesem Zusammenhang ist ein Interview mit dem britischen Entwicklungsökonomen Paul Collier (Professor für Ökonomie und Public Policy an der Universität Oxford ) erwähnenswert, welches am 3.11.2013 in der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ( FAZ) zu lesen war. Gesprochen wurde über die relativ wohlhabenden Afrikaner, die an nordafrikanische Gangster einen Haufen Geld für einen Platz auf einem lecken Boot zahlen, um in das für sie paradiesisch erscheinende Europa zu gelangen, die bei ihren illegalen Versuchen aber leider ertrinken. Hierzu sagte Paul Collier unter anderem:

»Wir locken die Menschen in den Tod. Jeder, der mit dem Boot kommt, sollte automatisch zurückgeschickt werden. Erst wenn das durchgesetzt wird, werden die Leute aufhören, es zu versuchen. Wenn wir den Leuten erlauben, herzukommen, wären es nicht mehr wenige. Wenn wir nur verhindern wollen, dass die Menschen ertrinken, sollten wir eine kostenlose Fähre übers Mittelmeer einrichten. Halb Afrika würde mitfahren. Die einzige realistische Lösung ist es, keinerlei Anreize zu schaffen, sich in ein leckes Boot zu setzen. Aber wir müssen das mit besseren Angeboten kombinieren, auf legalem Weg nach Europa zu kommen. Und später müssen die Leute eine Chance haben, in ihrem eigenen Land Arbeit zu finden. Eine gute Migrationspolitik muss berücksichtigen, dass Ein- und Auswanderung langfristig schwerwiegende soziale Folgen für eine Gesellschaft haben können. Davor dürfen wir nicht die Augen verschließen.«

Hier muss ergänzend gesagt werden, dass hinter den Forderungen, unbegrenzte Zuwanderung zu tolerieren, häufig eine Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen steckt, die nicht selten auf eigene Unzulänglichkeiten zurückzuführen ist. Es muss irgendwie anders werden, heißt es dann. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Vorsitzende der Grünen Karin Göring-Eckardt, ehemals wie Frau Merkel aktives Mitglied in der FDJ, die trotz Abbruch ihres Theologiestudiums als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland tätig war. Göring-Eckardt, die auf der griechischen Insel Lesbos ein Flüchtlingsboot in Empfang nahm, sagte auf dem Parteitag der Grünen in Halle am 21.11.2015: „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!“ Diese Äußerung ist Ausdruck eines unverantwortlichen Leichtsinns und einer unfassbaren Verachtung der eigenen Bevölkerung.

Denkt man an Frau Göring-Eckardt und an die mit ihr geistig verwandte Frau Merkel, dann kommen einem Worte in den Sinn, die Frau Honecker in einem ihrer letzten Interviews mit süffisantem Lächeln von sich gegeben hat: „Die Saat, die wir gesät haben, wird aufgehen !“

Unbeirrt durch zahlreiche negative Multikultibeispiele wie Berlin-Neukölln, Recklinghausen, Offenbach und das einst in schönfärberischer Manier für gelungene Integration gepriesene Duisburg-Marxloh (eine No-go-area, nach der heute gängigen Sprachregelung eine Region mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf) werden große Hoffnungen in eine Vermischung mit anderen Ethnien gesetzt. Es bewahrheitet sich das russische Sprichwort: Die Hoffnung ist ein Seil, auf dem viele Narren tanzen.

»Ein gesättigter Mensch will immer anderes als das, was man ihm gibt, denn das, was er will, kann ihm keiner geben.«

Pascal Bruckner in seinem Buch: Ich leide, also bin ich

Nicht selten ist es ein fast krankhafter Hass gegen die bestehende Gesellschaft, die es zu zerstören gilt, damit eine angeblich bessere Welt entstehen kann. Beispiele für solche „besseren Welten“ gab es leider in der jüngsten Vergangenheit zu Genüge. Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ oder „Nie wieder Deutschland!“ Mit diesen Leitsprüchen - zu Letzterem bekannte sich auch die von Horst Seehofer mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnete Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Claudia Roth - wird zum „Kampf gegen „Faschismus“ aufgerufen, gemeint ist jedoch die Zerstörung der bestehenden Gesellschaft. Der Hass wird sehr deutlich geäußert wie z.B. am 15.7.2015 auf der Flügeltür des Hauptportals der Stuttgarter Stiftskirche (siehe Stuttgarter Nachrichten vom 16.7.2015). Dort war die nur mit hohen Kosten entfernbare Aufschrift zu lesen: Deutschland, du mieses Stück Scheisse!“ Den sogenannten Antifaschisten verzeiht man destruktive Maßnahmen, denn gegen den „Faschismus“ ist jedes Mittel recht. Die als Antifaschisten getarnten Anarchisten sollten sich darüber im Klaren sein, dass eine Anarchie immer in eine Diktatur mündet. Diejenigen, die heute Polizisten als „Bullen“ beschimpfen, dürfen sich nicht wundern, wenn irgendwann eine Art Tscheka (Stalins Geheimpolizei) oder Gestapo für ihr „Wohlbefinden“ sorgt. Im Gespräch mit diesen sogenannten Antifaschisten kann man immer wieder feststellen, dass sie sich nur irgendwelcher Schlagwörter zur Rechtfertigung ihres Handelns bedienen. So bezichtigen sie ihre Gegner der Homophobie, des Sozialdarwinismus, der Holocaustleugnung usw.. Sie weigern sich, die ihnen von irgendwelchen Rädelsführern eingetrichterten Schlagwörter auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, denn sie wollen ihren Aggressionstrieb im Kampf gegen das angeblich „Böse“ ausleben und dabei nicht verunsichert werden. Das Wort Holocaustleugner“ wird ihnen offensichtlich als wirksame Waffe gegen Andersdenkende empfohlen. Holocaustleugnung ist nach üblicher Rechtsprechung (Paragraph 130, Abschnitt 3, StGB) eine sehr schwere Straftat, deshalb müsste eine normalerweise verleumderische Anwendung dieses Wortes gerichtlich geahndet werden können.

Paragraphen 130, Abschnitt 3 Strafgesetzbuch (StGB):

»Mit Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung (…), in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.«

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Franz-Joseph Strauß, einer der intelligentesten deutschen Politiker nach dem 2.Weltkrieg, hatte sich gegen die Einführung dieses Paragraphen ausgesprochen. Möglicherweise dachte er, dass mit ihm das Gegenteil des Erwünschten erreicht wird, dass gerade er zu unpassenden Zweifeln Veranlassung geben könnte in Anbetracht der Tatsache, dass im Laufe der Geschichte immer wieder Meinungsverbote zur Unterdrückung unerwünschter Wahrheiten verfügt wurden. Man denke an Galileo Galilei, der den Tod auf einem Scheiterhaufen befürchten musste, weil er das vom Papst für wahr befundene geozentrische Weltbild in Frage gestellt hatte oder die harten Strafen in Deutschland gegen Ende des Zweiten Weltkriegs für öffentlich verkündete Zweifel am Endsieg. Die strenge Anwendung des Paragraphen 130 verwundert, wenn man bedenkt wie milde manchmal Urteile wegen Totschlags und schwerer Körperverletzung ausfallen. Ist es nicht unmenschlich, wenn eine alte 88 jährige, unbescholtene Dame namens Ursula Haverbeck wegen eines Verstoßes gegen diesen Paragraphen für zweieinhalb Jahre in ein Gefängnis eingewiesen wird ?

Leider gibt es viele Funktionäre, die von dem Kampf gegen „Rechts“ profitieren, die immer wieder Nachweise für ihre Arbeit liefern müssen und demgemäß orientierungslose Jugendliche mit dem Aufruf zur Zivilcourage“ für ihre Aktionen missbrauchen, wobei Häuser mit Farbbeuteln verunstaltet und Autoreifen zerstochen werden.

Wenn Menschen hassen, dann ist nicht immer ein konkreter Grund hierfür auszumachen. Es kommen Bedingungen in Frage, die für das Zusammenleben ungünstig sind, wenn sie z.B. auf engem Raum leben. In einem solchen Fall entwickeln Menschen einen Aggressionstrieb, für den sie ein Opfer suchen – man denke an den Lagerkoller in Gefangenenlagern. Die Natur hat den Menschen mit einem solchen Trieb, einem Sprengstoff gleich, ausgestattet, damit neue, möglicherweise günstigere Bedingungen geschaffen werden. Auch die Lebensumstände in einer von Hochhäusern (Symbole einer kalten Macht) dominierten modernen Großstadt mit einander fremden, oft entwurzelten Menschen aus allen möglichen Regionen unserer Erde sorgen für Aggressivität. Zur Erklärung sei gesagt: Der Mensch lebte in seiner Frühzeit von den Naturprodukten seiner Umgebung. Zu viele Menschen auf engem Raum gefährdeten das Überleben. Mitmenschen wurden als Konkurrenten gesehen, denen man überlegen sein musste. Der in seinen Anlagen durch die Evolution geprägte Großstadtmensch versucht solche Aggressionsneigungen zu vermeiden, indem er beispielsweise nur wenige Blickkontakte mit anderen aufnimmt oder für das eigene Wohlbefinden Wunschvorstellungen von ihm fremden Menschen entwickelt - er nennt dies positives Denken“. Solche Wunschvorstellungen werden verinnerlicht und schließlich sogar als „Wahrheiten“ angenommen, wenn mit ihnen das Leben erträglicher erscheint, wenn sie z.B. davor bewahren, dass man anhaltend gegen eine negative gesellschaftliche Entwicklung aufbegehrt. Sie können eine lang anhaltende, unumkehrbare gesellschaftliche Fehlentwicklung begünstigen, deren nachteilige Folgen sich dank zivilisatorischer Leistungen nur allmählich einstellen und zunächst nicht diejenigen treffen, welche diese Vorstellungen zu eigenem Wohlbefinden hoch halten. Möglicherweise ist dies ein Grund für den Untergang von Hochkulturen.

Im Gewirr einer Großstadt hilft die Konzentration auf Vertrautes

Das negative Bild, welches den Deutschen seit 1945 von ihrer Geschichte vermittelt wird, bestärkt die sogenannten Antifaschisten in ihrem Hass gegen das eigene Land. Die „Historiker“, welche dieses Bild gezeichnet haben, sind offensichtlich besorgt, dass es neuerdings in Frage gestellt wird, z.B. durch den australischen Historiker Clark in dessen Buch zur Entstehung des Ersten Weltkriegs mit dem Titel Die Schlafwandler“ ( Anmerkung hierzu ) oder durch das Buch Stalins Vernichtungskrieg von Dr. Joachim Hoffmann einem ehemaligen wissenschaftlichen Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr ( Anmerkung hierzu ) und das des Generals a.D. Dr. Schwipper mit dem Titel Deutschland im Visier Stalins“. In den beiden zuletzt genannten Büchern wird deutlich gemacht, dass der angebliche Überfall Deutschlands auf Russland im Sommer 1941 ein Präventivkrieg war, mit dem eine zum Angriff bereit stehende, gut ausgerüstete Riesenarmee Stalins (man denke an den allen damaligen deutschen Panzern überlegenen T34) daran gehindert wurde, ganz Europa mit Gewalt zu bolschewisieren. Die russische Armee war so stark, dass Stalin Bedenken seiner Generäle missachtete, wonach seine nicht zur Abwehr, sondern zum Angriff aufgestellte Armee bei einem Überraschungsangriff der Deutschen sehr gefährdet sei.

Heutzutage wird derjenige sofort als Nazi diffamiert, der auf eine historische Tatsache hinweist, die nicht in die negative Darstellung der Geschichtsepoche zwischen 1933 und 1945 hineinzupassen scheint. Es wird ihm Verharmlosung eines verbrecherischen Regimes vorgeworfen. Das kann ihm z.B. dann passieren, wenn er Herrn Gaucks Aussage, die Deutsche Wehrmacht habe 1940 Frankreich überfallen, als falsch bezeichnet. Es ist eine Schulbuchweisheit, dass nach dem deutschen Angriff auf Polen sowohl Frankreich als auch England dem Deutschen Reich den Krieg erklärten. Ebenfalls völlig falsch sind Erklärungen, nach denen das NS-Regime die in Deutschland 1933 herrschende Arbeitslosigkeit durch eine gewaltige militärische Aufrüstung behoben habe. Hierzu einige Angaben aus Hans Kehrl, Krisenmanager im Dritten Reich, Droste-Verlag, 1973:


Im Frühjahr 1936 waren noch 10,5 °/o aller Arbeitskräfte (Arbeiter und Angestellte) arbeitslos. Im Frühjahr 1937 waren es nur noch 6,5 °/o und im Frühjahr 1938 (vor dem Anschluß Österreichs) endlich gab es noch 507 000 Arbeitslose gleich 2,7 °/o. Vollarbeit war unter Berücksichtigung der Fluktuation damit fast erreicht und wurde Anfang 1939 Wirklichkeit. Die Zahl der zur Arbeit zur Verfügung stehenden Kräfte hatte sich aber in den fünf Jahren von 18,0 Millionen auf 20,5 Millionen erhöht. Von die­sem Zuwachs entfielen allein 700 000 auf Frauen, die sich der Berufsarbeit neu zuwenden konnten. In diesen fünf Jahren hatte sich die Zahl der gebauten Wohnungen ge­genüber 1932 verdoppelt, die Investitionen der Verkehrswirtschaft wa­ren bis 1938 mit 3,8 Milliarden RM gegenüber 1932 auf das 4,5fache ge­stiegen. Von diesen Investitionen entfielen 1938 allein 45 °/o auf den Straßenbau und von diesem schon wieder 1934 178 Mio. RM auf Reichs­autobahnen. Das entsprach einem Zuwachs von 30 %. Für 1938 lauteten die Zahlen 915 Mio. bzw. 50 %, die größte Steigerung erreichten die Industrie-Investitionen. Sie waren nach 2,6 Mrd. RM 1928 auf ein Tief von nur 439 Millionen 1932 abgesunken. Die Grenze von 2,6 Mrd. wurde schon 1937 wieder überschritten und 1939 ein jährliches Industrie-Investi­tionsvolumen erreicht, das dem Zehnfachen von 1932 entsprach. Die Zahl der Personenkraftwagen und Lastkraftwagen hatte sich seit 1933 verdreifacht.

Die Beschäftigung der Industrie (Altreichsgebiet) steigerte sich nach In­dexzahlen (1928 = 100) in den sieben Jahren von 1932-1938 um 112% — circa 13% im Jahr. Derselbe Index für die ganze Welt (ohne Sowjet­union) nur um 52 %. Die Gesamtumsätze der Wirtschaft stiegen (ge­schätzt nach Umsatzsteuerzahlungen) von 1932-1938 auf das 2,6fache. Das deutsche Volkseinkommen (Altreich) — in etwa dem heutigen Sozial­produkt vergleichbar - betrug 1939 ziemlich genau das Doppelte von 1932, nämlich 90 Milliarden RM. Das Jahreseinkommen der Arbeiter hatte sich seit 1932 gleichfalls mehr als verdoppelt. Nur die Preise blie­ben fast stabil: Die Reichsindexziffern für Ernährung, Wohnung, Hei­zung, Bekleidung, Beleuchtung und diverse Gebrauchsgüter und Ver­brauchsgüter stiegen in den gleichen Jahren insgesamt nur 5,6 Punkte, das heißt circa 0,6 % im Jahresdurchschnitt. Die Bruttoverdienste pro Woche stiegen von 1932-39 in absoluten Zahlen um 30 % und in realer Kaufkraft um 22,6- also über 3 % im Jahr. Die Zahlenreihen lesen sich wie eine Bilderbuchillustration zu »Wachstum und Stabilität«.

Entgegen weit verbreiteter Ansicht spielten für diese Wirtschaftsent­wicklung die Aufwendungen für die Rüstung in den Jahren 1933/35 nur eine geringe, 1936/37 etwa eine normale und erst 1938/39 eine große Rol­le. Sie blieben aber auch dann noch als Motor wirtschaftlichen Wachstums weit hinter den Investitionen für den nicht rüstungsbedingten Bereich zu­rück. Für Industrie, Landwirtschaft, Verkehr, Wohnungsbau, Energie­wirtschaft und öffentliche Verwaltung wurden von 1933-1939 rund 100 Milliarden RM investiert.

Die Ausgaben für Wehrmacht und Rüstung betrugen

1933/34 1,9 Mrd. RM = 4 % des Volkseinkommens

1934/35 1,9 Mrd. RM    =   4 % des Volkseinkommens

1935/36 4    Mrd. RM    =   7 % des Volkseinkommens

1936/37 5,8 Mrd. RM    =   9 % des Volkseinkommens

1937/38 8,2 Mrd. RM    = 11 % des Volkseinkommens

und erst 1938/39 18,4 Mrd. RM = 22 % des Volkseinkommens

Nach Berechnungen des Instituts für Konjunkturforschung betrug schon 1934 der Anteil der Rüstungsausgaben am Volkseinkommen - internatio­nal gesehen

in Großbritannien 3,0 %

in Frankreich (1932) 8,1%

in Japan 8,4 %

in Sowjetrußland 9,0 %

Ein normales Maß an Ausgaben für Wehrmacht und Rüstung wurde erst überschritten, als die Arbeitslosigkeit fast beseitigt war.




Am 30.6.2014 konnte man in der Online-Ausgabe der FAZ unter dem Titel „Deutschland ist schuld – oder?“ Folgendes lesen:

»Die deutsche Demokratie, das ist die Prämisse dieser Besorgnis, kann nur gedeihen, wenn die Deutschen ein negatives Bild ihrer Geschichte bis weit zurück ins neunzehnte Jahrhundert haben.«

Die Geschichte wird von Politikern im Sinne ihrer Absichten verändert, so wird sie zu einer Sammlung von Mythen. Sogar Jesus wird zur Rechtfertigung der Asylpolitik entgegen biblischer Aussagen zu einem Asylanten erklärt.

Man sollte immer daran denken, dass die siegreichen und mächtigen Staaten Geschichte zur Rechtfertigung ihrer Ausbeutung besiegter Völker sowie ihrer Maßnahmen zum Machterhalt und zur Machterweiterung schreiben bzw. von willigen Helfern unterlegener Nationen schreiben lassen.

So haben z.B. die Siegermächte des 1. Weltkriegs die Deutschen im Versailler Friedensvertrag zu den Alleinschuldigen dieses Krieges erklärt und damit die Wegnahme von Reichsgebieten und extreme, unerfüllbare Reparationsleistungen gerechtfertigt.

»Die Verwaltung deutscher Schuld und die Pflege des deutschen Schuldbewußtseins sind ein Herrschaftsinstrument. Es liegt in der Hand aller, die Herrschaft über die Deutschen ausüben wollen.«

Johannes Gross (1932-1999), Phönix in der Asche, 1989

Es ist denkbar, dass die jüngere Geschichte Deutschlands bald nur noch in Anlehnung an das von den Siegermächten der letzten Weltkriege im Eigeninteresse entwickelte Geschichtsbild, gekennzeichnet durch Einseitigkeit und Übertreibungen bezüglich der Kriegsverbrechen und Kriegsursachen, wie folgt beschrieben werden darf:

Das Jahr 1945 brachte die Befreiung vom Naziregime. Dann schenkten die Amerikaner den Deutschen nach einem vom amerikanischen General Marshall entworfenen Plan viel Geld zum Wiederaufbau ihres Landes. Deutschland wurde zerstört, weil die Deutschen unter einem wahnsinnigen Diktator namens Adolf Hitler einen Krieg entfesselten, um die Welt zu erobern, Völker zu unterwerfen und auszurotten. Diese Eroberungsabsichten waren weltweit besorgniserregend. Der amerikanische Präsident Roosevelt warnte in einer Rundfunkansprache am 27.10.1941 sein Volk zu Recht vor einer unmittelbar bevorstehenden Invasion der Nazis in Amerika. Die großzügige Hilfe der Amerikaner nach dem Marshallplan machte den Wiederaufbau Deutschlands erst möglich. Die großen Leistungen von Menschen mit außereuropäischem Migrationshintergrund beim Wiederaufbau müssen besonders gewürdigt werden.

Fazit: Deutschland ist verpflichtet, den Not leidenden Ländern der Welt beizustehen und allen verfolgten Menschen in der Welt Asyl zu gewähren. Es sollte nur etwas von dem zurückgeben, was es nach 1945 von hilfsbereiten Ländern bekommen hat. Die Deutschen sollten dafür dankbar sein, dass Amerikaner, Russen und Engländer sie unter großen Opfern von den Nazis befreit haben und immer daran denken, dass sich die Gegner Nazideutschlands nach dem 2.Weltkrieg außergewöhnlich human verhielten. Historisch beispiellos war ihr Verhalten. Die Deutschen wurden in die westliche Wertegemeinschaft aufgenommen, obwohl sie unter Kaiser Wilhelm II und Adolf Hitler zwei Weltkriege vom Zaun brachen und sich dabei der größten Verbrechen aller Zeiten schuldig machten.

Leider gibt es zu allen Zeiten karrieresüchtige Menschen, die unbedingt nach oben wollen, die im Eigeninteresse skrupellos jedem Machthaber dienen und dabei unschuldige Menschen zugrunde richten. Es gibt machtgierige, egozentrische Politiker, die geschickten Segelfliegern gleich immer wieder Aufwinde suchen und finden, die sie oben halten, denen es dabei völlig gleichgültig ist, aus welchen „Tiefen“ diese kommen. Wenn es dem Machterhalt dient, spricht ein solcher Politiker heute für die Kernenergie und morgen dagegen oder propagiert eine multiethnische Gesellschaft, obwohl er zuvor erklärte: Multikulturalismus ist in der BRD absolut gescheitert …

Stefan Zweig beschreibt in seinem lesenswerten, zeitlosen BuchJoseph Fouché: Bildnis eines politischen Menschen“ ein Musterbeispiel eines Opportunisten. Fouché (1759-1820) war vor der Französischen Revolution Physiklehrer in Arras, schloss sich während der Revolution dem führenden Jakobiner Robbespierre an und ließ dann in Lyon skrupellos Tausende Bürger hinrichten, nur um die Gunst Robespierres zu gewinnen. Unter Napoleon wurde Fouché Polizeiminister und behielt diesen Posten auch nach der Abdankung Napoleons unter dem Monarchen Ludwig dem XVIII. Die Fouchés können jede Regierung zu einem unerträglichen Machtapparat machen.

Immer wieder wird man an die Heilige Inquisition erinnert, sogar bei völlig unpolitischen Veranstaltungen, wie der Olympiade 2012. Eine Ruderin namens Nadja Drygalla wurde von weiterer Teilnahme an der Olympiade ausgeschlossen, weil sie einen in der zugelassenen NPD tätigen Freund hat. Zuvor wurde sie mit gleicher Begründung aus dem Polizeidienst entlassen.

Nach Welt-Online vom 7.8.2012 forderte der EKD-Ratsvorsitzende Präses Schneider als Seelsorger für deutsche Athleten Frau Drygalla mit einem Bibelspruch bei Hesekiel (33,12) zur Reue auf:

»Wenn ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit umkehrt, so soll's ihm nicht schaden, dass er gottlos gewesen ist.«

War der Vorsitzende der Evangelischen Kirche der Ansicht, Frau Drygalla habe wie die „Hexen“ früherer Zeiten mit dem Teufel gebuhlt ?

Erstaunlich ist die Diskussion, die über diesen Fall in Regierungskreisen geführt wurde. Das Schicksal der jungen Sportlerin war den Verantwortlichen völlig gleichgültig. Es machte ihnen nur Kopfzerbrechen, dass ihr Fall so auffällig wurde. Man fragt sich angesichts dieses Vorfalls: „ Was mag da alles im Hintergrund vorgehen ?“

Der Gutmensch schafft nach seinen Prinzipien eine Welt, die gut sein soll, aber nicht gut sein kann. Er zerstört gewachsene Gesellschaften, verursacht und hinterlässt irreversible Schäden, um eine angeblich menschlichere Gesellschaft zu schaffen. Das Ergebnis seines Wirkens ist eine anonyme Gesellschaft aus Tyrannen und Knechten, in der Rücksichtslosigkeit und das Prinzip „teile und herrsche!“ zum Erfolg führen. Der Aggressionstrieb wird zur bestimmenden Kraft; fortwährend werden Feindbilder gesucht, um diesen Trieb auszuleben. Beinahe jeder fühlt sich alleine ohne Beistand, somit gefährdet, er versucht unbewusst, Risiken durch Machtgewinn (mehr Geld, Karriere, Ansehen...) zu minimieren. Missgunst und Neid sind dabei Begleiterscheinungen; in der sozialen Rangordnung möchte kaum jemand unter seinem Nachbarn stehen. Für viele Menschen ist deshalb die Vorstellung schwer erträglich, dass ihre Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt sind, dass sie infolge fehlender Begabung auf den unteren Plätzen der genannten Rangordnung bleiben könnten. Ihnen tut der Glaube gut, dass alle Menschen über gleiche geistige Begabungen verfügen und dass unterschiedliche Ausprägungen milieubedingt seien. Das, was Gutmenschen beabsichtigen und schließlich bewirken, hat in kurzer und sehr treffender Form Gerhard Szczesny in seinem Buch „Das sogenannte Gute“ formuliert:

»Ein beachtlicher Teil unserer progressiv eingestellten Schriftsteller und Wissenschaftler und damit ein großer Teil der diesen Mentoren nacheifernden jüngeren Generation ist jedenfalls in die alte, verhängnisvolle Strömung idealistischen Moralisierens geraten und hat dabei das gute Gefühl, besonders realistisch und vernünftig zu sein. Es ist sicher, daß die überwiegende Zahl von ihnen tatsächlich das Gute, das Beste, das Allerbeste für uns wollen -aber die großen Übel in dieser Welt sind nicht die Folgen böser Absichten, sondern eines unbegrenzten Willens zum Guten. Es gibt einen Terror des Guten, dessen Resultate schrecklicher sind als die Irrtümer und Vergehen, die er ausmerzen will.«



Gedanken über die Bereitschaft, etwas zu glauben

»Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.«

Napoleon I

Eine „ferne Glückseligkeit“ als Leitmotiv für das Leben ist ein Produkt der christlichen Kirche. Durch den christlichen Glauben daran gewöhnt, möchte so manch einer nicht auf eine solche wegweisende Vorstellung verzichten, auch dann nicht, wenn er vom christlichen Glauben abgerückt ist. Er ist anfällig für Ideologien, die auch Glückseligkeit verheißen, allerdings im Diesseits und nicht erst im Jenseits. Ideologien sind keine wissenschaftlich begründete Gedankengebäude. Es handelt sich wie bei den bekannten Offenbarungsreligionen um Glaubenssätze, die von irgendwelchen Herrschaften im eigenen Machtinteresse zur Lenkung von Menschen geschaffen wurden. Vor 1000 Jahren hätten sich deren Verkünder noch als Propheten Gottes präsentieren können. Die heftige Emotionalität, mit der meistens Diskussionen über Ideologien ausgetragen werden, kann als Bestätigung dieser Auffassung gedeutet werden. Wenn es um Glaubensangelegenheiten geht, dann sind immer Gefühle im Spiel, die sehr leidenschaftlich sein können, die dann auch bei intelligenten als nüchtern geltenden Menschen keine sachliche Erörterung zulassen. Man denke an den Streit um die Relativitätstheorie in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, der von seinen bekanntesten Gegnern, den Nobelpreisträgern Philipp Lenard und Johannes Stark in beleidigender und unsachlicher Weise ausgetragen wurde, weil die Relativitätstheorie nicht ihrem lebenslang gehegten Weltbild entsprach. Von jüdischer Physik war die Rede.

Eine sachliche Diskussion über Glaubenssätze ist nur mit Leuten möglich, die nach den Hintergründen ihres Glaubens fragen, die sich immer wieder der Frage stellen, warum sie dieses und jenes glauben. Im Sinne einer solchen selbstkritischen Betrachtung soll hier auf die Fragen eingegangen werden: Warum glauben wir? Wie ist es zu verstehen, dass Glaubenssätze angenommen werden, die den Alltagserfahrungen völlig widersprechen ? So z.B. der heute weit verbreitete Glauben, dass sich Menschen in ihren geistigen Fähigkeiten, ihrer emotionalen Veranlagung und den daraus resultierenden Wertvorstellungen bei gleichen gesellschaftlichen Entwicklungsbedingungen nicht unterscheiden, ein Glaube, der oft lapidar mit den Worten verkündet wird: „Alle Menschen sind gleich!“ Es erscheint zunächst schwer fassbar, dass gebildete Menschen diesen Glaubenssatz verkünden; sie sollten doch wissen, dass eine evolutionäre Entwicklung nur möglich ist, wenn sich immer wieder Unterschiede einstellen. Bei Gültigkeit des oben genannten Gleichheitspostulats wäre der Mensch nicht über die Entwicklungsstufe eines Einzellers hinausgekommen. Offensichtlich ist es so, dass bestimmte Glaubenssätze deshalb angenommen werden, weil das Leben mit ihnen angenehmer erscheint.

Zweifel an völlig unrealistischen Glaubenssätzen werden manchmal in einer Art abgewehrt, als werde nach dem Leitsatz gehandelt: „Es kann nicht sein, was nicht sein darf !“ Dies liegt an den emotionalen Wurzeln eines jeden Glaubens. Gefühle, die der Mensch im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte erworben hat, sprechen für den Glauben. Jeder weiß, dass Zu- und Abneigung dafür maßgebend sind, ob wir jemandem glauben bzw. nicht glauben und dass wir Schmeicheleien gegenüber anfällig sind, weil sie gut tun. Oft glauben wir an die Redlichkeit von Leuten schon bei der ersten Begegnung, weil sie uns sympathisch sind und glauben manchmal sehr leichtfertig an angebliche Verfehlungen von Leuten, die wir nicht mögen.

Das Wort Glaube ist von dem indogermanischen Wort leubh“ abgeleitet, welches so viel bedeutet wie: begehren, lieb haben, für lieb erklären, gutheißen, loben (siehe Wikipedia). Ob einer Aussage geglaubt wird, hängt sehr von ihrer emotionalen Wirkung ab. Gefällt sie, dann trifft sie auf offene Ohren, wenn sie nicht unmittelbar als Irrtum erkennbar ist. Gefällt sie nicht, weil sie möglicherweise verunsichert, weil ein liebgewonnenes Weltbild damit verloren geht, dann wird sie nur ungern angenommen, vielleicht sogar leidenschaftlich abgelehnt. Glaubwürdig erscheinen Aussagen dann, wenn sie

    1. zu Erfolgen führen,

    2. viele Menschen zu ihr stehen,

    3. wenn sie lange Zeit unwidersprochen bleiben und

    4. wenn sie in der Kindheit angenommen wurden.

Dies scheint auf den für unsere Evolution maßgebenden Gegebenheiten früherer Jahrtausende zu beruhen, denn Erfolg auf der Grundlage falscher Vorstellungen war sehr unwahrscheinlich und viele gleiche Aussagen standen für viele Einzelerfahrungen - es gab keine Mittel der Massenbeeinflussung. Blieb eine Aussage lange Zeit unwidersprochen, dann hatte sie sich bewährt. Auch heute wird zur Begründung einer Aussage immer wieder gesagt: Der Erfolg gibt ihm Recht!“ oder Das sagt doch der und jener auch!“ oder Es gab noch nie einen Grund daran zu zweifeln!“. Eine in der Kindheit angenommene Aussage wird von unserer Natur deshalb als glaubwürdig gewertet, weil sie normalerweise von Personen stammt, meistens den Eltern, die es gut mit einem meinen. Daher sind die christlichen Kirchen genauso wie totalitäre Herrschaftssysteme bestrebt, Kinder möglichst früh in ihre Glaubenswelt einzuführen.

Wenn Journalisten oder Politiker etwas behaupten, was keiner genauen Nachprüfung standhalten kann, dann darf daraus nicht geschlossen werden, dass sie lügen, dass sie vorsätzlich Falsches sagen. Sie können von der Falschaussage überzeugt sein, weil sie damit persönlich Erfolg hatten. Emotionen können berechtigte Zweifel verhindern.

Wenn Leute ihren Glauben an die christliche Religion begründen, dann geschieht dies in der Regel mit der Aussage: Dieser Glaube hilft mir!“ Auch dies ist ein Hinweis auf einen Erfolg. Erfolgreich erscheinenden Leuten wird immer gerne geglaubt. Die Einstufung als erfolgreich ist oft rein emotional bedingt und somit sehr fragwürdig. So wird z.B. der Besitz eines teuren Autos und eine lange Regierungszeit eines Staatsoberhaupts von unkritischen Bürgern als Zeichen eines Erfolgs gedeutet - man denke an den Fall Merkel.

Im 17. und 18. Jahrhundert, der Zeit der Gegenreformation, hat die katholische Kirche herrliche barocke Kirchen errichten lassen, denn großartige Werke werden als Erfolg und somit als Ausdruck von Glaubwürdigkeit gewertet.

Wieskirche bei Steingaden

Die islamische Religion verdankt ihre Ausbreitung hauptsächlich den kriegerischen Erfolgen, die im Glauben an sie errungen wurden.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass für die Verbreitung und Ausbildung der uns bekannten Offenbarungsreligionen auch totalitäre Machthaber gesorgt haben. Man denke an Karl den Großen und den skrupellosen, machthungrigen, römischen Kaiser Konstantin I. Karl der Große hat die Sachsen auf äußerst brutale Weise christianisiert und Kaiser Konstantin hat im Jahr 325 n. Chr. während des Konzils von Nicäa den dort anwesenden Bischöfen vorgeschrieben, dass Jesus als der eingeborene Sohn Gottes zu sehen sei. Die Bezeichnung „Gottes Sohn“ wurde davor als Auszeichnung einer moralisch hoch stehenden Person gewertet. Nach dem Machtspruch Konstantins musste dann auch die damals umstrittene Vorstellung von der Jungfrauengeburt Mariens als verbindlich festgelegt werden. Dass dieser Glaube bis in die Gegenwart reicht, hat auch damit zu tun, dass einst ein diesbezüglicher Unglaube grausam bestraft und den Ungläubigen alle Qualen der Hölle angedroht wurden. Die in Deutschland immer mehr zu rot-rot-grünen Parteiorganisationen mutierenden Amtskirchen haben der Erfindung von Hölle und Teufel viel zu verdanken - man denke an ihre großen Besitztümer. So wie die Kirchenoberen haben auch Politiker zu allen Zeiten zur Bewahrung eines für sie wichtigen Glaubens einen dazu geäußerten Zweifel unter Strafe gestellt oder dafür gesorgt, dass die Ungläubigen diffamiert und ausgegrenzt wurden. Ein Gesetz gegen Unglauben sollte skeptisch stimmen.

Was gut tut, wird gerne geglaubt, wenn es nicht unmittelbar als Irrtum erkennbar ist. So ist es zu verstehen, warum unrealistische Wunschvorstellungen wie z.B. die von der Gleichheit aller Menschen oder die von der friedensstiftenden Wirkung des Euro nach kirchlicher Sprechweise zu Glaubenswahrheiten“ werden konnten.

Wem tut die Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen gut?

Es sind Leute, die meinen, sie werden wegen geringerer Qualifikation als Mensch geringeren Werts angesehen und solche, die es unerträglich finden, wenn eine arrogante Machtelite verantwortungslos mit Menschen umgeht, die von ihnen abhängig sind. Es gilt jedoch festzuhalten, dass dieser Glaube nur durch Emotionen und nicht durch rationale Erwägungen veranlasst wird.

Unter dem Eindruck von Wunschvorstellungen verlieren manche Politiker derart den Blick für die Realität, dass sie nicht mehr zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden können. Ein passendes Beispiel dazu gab der scheidende SPD-Oberbürgermeister Vaupel der Stadt Marburg bei seinem letzten Neujahrsempfang am 17.1.2015 ab. Er präsentierte sich hierbei vor der Projektion der folgenden Erklärung des Beatle John Lennon:

»Ein Traum, den Du alleine träumst, ist nur ein Traum.

Ein Traum, den wir gemeinsam träumen, ist Realität.«

Die örtliche Presse spendete dem scheidenden SPD-Oberbürgermeister am 18.1.2015 für seinen Kampf um „Toleranz und Vielfalt“ viel Lob.

Man könnte meinen, dass dasjenige, was führende Politiker für wahr halten und als Basis ihrer Politik sehen, Ergebnisse kollektiver Träume sind.

Dies scheint kein neudeutsches Problem zu sein. Im Jahr 1844 schrieb der Dichter Heinrich Heine in seinem Wintermärchen:

»Franzosen und Russen gehört das Land. Das Meer gehört den Briten. Wir aber besitzen im Luftreich des Traumes die Herrschaft unbestritten.«

Erfährt jemand, dass er seinen religiösen Glauben mit anderen teilt, dann fühlt er sich in ihm bestärkt. Aus diesem Grunde werden von politischen Parteien Aufmärsche organisiert und in religiösen Glaubensgemeinschaften rituelle Handlungen vorgenommen wie z.B. gemeinsames Beten oder Singen. Sehr oft werden Mehrheitsmeinungen gegen rational begründete Gegenargumente durchgesetzt. Eine Mehrheitsmeinung kann unfassbar gläubig machen, denn Widerspruch gegen eine herrschende Meinung erzeugt Missfallen. Man denke an das Märchen: Des Kaisers neue Kleider.

Wenn ein religiöser bzw. ideologisch geprägter Mensch einen anderen Menschen für seinen Glauben gewinnt, dann stabilisiert dies seinen eigenen Glauben. Möglicherweise ist dies der Hauptgrund für Bekehrungsversuche.

»Es ist gewiß, mein Glaube gewinnt ganz unendlich von dem Augenblicke an, wo ich ein anderes Gemüt davon überzeugen kann!«

Novalis (1772-1801)

Der nach einer Ideologie lebende Mensch gewinnt Sicherheit, wenn ihm nicht widersprochen wird, wenn er im Sinne seiner Ideologie Erfolg hat, und wenn die Zahl der Mitstreiter zunimmt. Widerspruch und in ihrem Glauben wankelmütige Genossen verunsichern ihn und machen ihn demzufolge aggressiv. Um nicht verunsichert zu werden, neigt er zur Abgrenzung gegenüber den Menschen die nicht seinen Glauben teilen. So ist verständlich, dass türkische Muslime im säkularen Europa mehr als in ihrem Ursprungsland ihre Zugehörigkeit zum Islam mit ihrer Kleidung (Kopftuch) anzeigen. Dies dient unter anderem der Abgrenzung gegenüber Andersgläubigen.

Manchmal werden Glaubenssätze als Vermutungen bezeichnet. Dies ist unzulässig, denn eine Vermutung ist rational begründet. Man kennt einige Merkmale, welche für sie sprechen, es wird aber für möglich gehalten, dass sie durch neue Erkenntnisse widerlegt wird. Mit Vermutungen kommt man nur dann in Konflikte, wenn diese Zweifel an liebgewonnenen bzw. politisch gewollten Glaubenssätzen nähren.

Die Wirksamkeit der angegebenen Gründe für Glaubwürdigkeit kann in der Gegenwart schlimme Folgen haben, denn mit den Medien (Fernsehen) können Mehrheitsmeinungen erzeugt, und die Meinungsvielfalt kann derart reduziert werden, dass nur noch gängige und erlaubte Meinungen ausgetauscht werden, somit gar kein Zweifel über eine eventuell nicht vorhandene Meinungsfreiheit aufkommt.

Der Mensch fühlt sich frei, wenn er sich an gegebene Grenzen gewöhnt hat und deshalb kein Bedürfnis verspürt, diese zu durchbrechen oder wenn er das Erlaubte derart verinnerlicht hat, dass er die ihm gesetzten Grenzen nicht erkennen kann.

»Glückliche Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.«

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Zur Einschüchterung kritischer Bürger werden unerwünschte Meinungen wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ als Ausdruck menschlicher Schwächen wie Dummheit, Unwissenheit und völlig unbegründeter Vorurteile gedeutet. So werden die Wähler der Alternativen für Deutschland als die Abgehängten bezeichnet, die nicht fähig seien, sich auf neue Lebensbedingungen einzustellen.

Diejenigen, welche über die Mittel der Massenbeeinflussung verfügen, können Menschen in ihrem Sinne lenken. Dazu eignet sich am besten eine geschickt zusammengestellte Mischung aus Tatsachen und Lügen. Einige als bekannt vorausgesetzte Wahrheiten sind nötig, sie sollen dem Zuhörer den Eindruck einer objektiven Berichterstattung vermitteln. Werden die Lügen mit einem wissenschaftlichen Anstrich versehen oder viele Details angegeben, dann meint mancher Zuhörer, hier hat man sich um Klarheit bemüht, das muss stimmen.

In bunten Bildern wenig Klarheit,
Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
So wird der beste Trank gebraut,
Der alle Welt erquickt und auferbaut.

                            Goethe (Faust I)

Hin und wieder lässt man mit Hilfe von Geheimdiensten etwas passieren und erregt damit eine allgemeine Empörung mit erwünschten Reaktionen. Auf diese Weise kann man ein Volk für einen Krieg gewinnen. Man denke an die Versenkung des Panzerkreuzers Maine im Hafen von Havanna von innen heraus als Vorwand für den Krieg der USA um Kuba im Jahr 1898 (siehe Wikipedia). Die Methoden zur Einstimmung auf kriegerische Maßnahmen sind sehr vielfältig. Neuerdings wird immer wieder auf die Verletzung von Menschenrechten verwiesen.

»In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.«

Egon Bahr vor Schülern eines Heidelberger Gymnasiums

Oft sind es ganz plumpe Lügen, mit denen Völker für einen Krieg vorbereitet werden. Beispielhaft dafür stehen Aussagen der amerikanischen Präsidenten George W. Bush und Franklin D. Roosevelt. George W. Bush sprach zu Beginn des von seiner Regierung geplanten Irak-Krieges von einer Bedrohung Amerikas durch irakische Massenvernichtungswaffen und Franklin D. Roosevelt erklärte den Amerikanern am 27.10.1941 in einer sehr wirkungsvollen Rundfunkansprache, dass die USA mit einem Angriff der Deutschen Wehrmacht von Südamerika aus rechnen müsse; er gab an, Hitler sei dabei, eine von Afrika ausgehende Invasion in Südamerika vorzubereiten.

Hier sei angemerkt, dass Franklin D. Roosevelt so wie sein späterer Nachfolger George W. Bush in Friedenszeiten ziemlich erfolglos war, und dies offensichtlich durch kriegerische Taten wettmachen wollte. Mit den viel gerühmten drei New-Deals zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit in der USA nach dem Aktiencrash im Jahr 1929 hatte er anfänglich infolge umfangreicher Infrastrukturmaßnahmen Erfolg, sicherte sich damit seine Wiederwahl im Jahr 1936, konnte aber einen erneuten Anstieg der Arbeitslosenzahl ab August 1937 nicht verhindern. Die Arbeitslosenzahl wurde durch seine Maßnahmen insgesamt um nur ca. 10% gesenkt.

Ein völlig untaugliches Bewertungskriterium, das der Mensch im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte erworben hat, ist noch erwähnenswert.

Entschiedenes Auftreten wird von den meisten Menschen - besonders von Frauen- als Zeichen von großer Sicherheit gewertet. Vielleicht ist dies der Grund für die Anerkennung, die dem ehemaligen deutschen Verteidigungsminister von und zu Guttenberg bis zu seinem Rücktritt zuteil wurde. Wird eine Meinung mit Entschiedenheit vorgetragen, dann kann man damit rechnen, dass sie ohne Begründung hingenommen wird.

Verständlich wird dies, wenn man bedenkt, dass in weit zurückliegenden Zeiten die Kombination von Entschiedenheit und Dummheit nur geringe Überlebenschancen hatte.

Diese gefühlsmäßige Bewertung führt in der Gegenwart dazu, dass Menschen an die Macht kommen, die ihre Entschiedenheit einer gewissen Unerfahrenheit und Oberflächlichkeit verdanken.

Es ist mittlerweile Mode, unerwünschte Informationen über verbrecherische Aktivitäten mächtiger Geheimdienste ohne vernünftige Argumente aber sehr entschieden mit dem unpassenden Begriff Verschwörungstheorie“ als „Blödsinn“ abzutun, dessen sich der Informant schämen sollte. Entschiedenheit soll wohl eine Begründung überflüssig machen. Diejenigen Leute, die so leichtfertig und oft überheblich mit dem Begriff „Verschwörungstheorie“ (nach Andreas von Bülow vermutlich eine Erfindung des amerikanischen Geheimdienstes) umgehen, sollten daran denken, dass es eine Vielzahl historischer Tatsachen gibt, die ursprünglich mit dem Makel „Verschwörungstheorie“ versehen waren. So wurde die erwähnte Versenkung des Panzerkreuzers Maine und die mittlerweile allgemein bekannte Ausspähung Deutschlands durch den amerikanischen Geheimdienst und den Bundesnachrichtendienst (BND) früher meistens mit dem Wort „Verschwörungstheorie“ abgetan.

»Wer den Herrschaftsverhältnissen gegenüber nicht machtlos bleiben will, muß sie verstehen lernen, und zwar nicht bloß ihre sichtbaren Züge, sondern auch ihre verborgenen Mechanismen. Nur dann kann er die Fiktionen, Täuschungen und Manipulationen durchschauen, denen er von Seiten der Herrschenden ausgesetzt ist.«

Hans Herbert von Arnim „Das System- Die Machenschaften der Macht“, 2001

Möglicherweise werden unglaubwürdige, absurd erscheinende Verschwörungstheorien erfunden und mit berechtigten Vermutungen geheimdienstlicher Verbrechen in einen Topf geworfen, damit man letztere leicht in das Reich der Fabeln verweisen kann.

Zur Glaubwürdigkeit von Politikern schreibt der bekannte Physik-Nobelpreis-Träger Werner Heisenberg in seinem Buch „Der Teil und das Ganze“:

»Ich hatte ja längst aus meinen Erfahrungen im Münchner Bürgerkrieg gelernt, daß man eine politische Richtung nie nach den Zielen beurteilen darf, die sie laut verkündet und vielleicht auch wirklich anstrebt, sondern nur nach den Mitteln, die sie zu ihrer Verwirklichung einsetzt. Schlechte Mittel beweisen ja, daß die Urheber an die Überzeugungskraft ihrer These selbst nicht mehr glauben.«

Unsere führenden Politiker haben nicht zuletzt durch solche „schlechten Mittel“ - man denke an die Hetze gegen politische Gegner wie z.B. die AfD derart an Glaubwürdigkeit verloren, dass viele Bürger nicht mehr zur Wahlurne gehen.

Als Ursache dafür ist aber auch die Tatsache zu nennen, dass viele Zeitgenossen ständig in einem eigenen Irrgarten, einem Irrgarten unrealistischer Hoffnungen unterwegs sind, sich dabei mit vielen unlösbaren Problemen belasten, weshalb sie sich nur wenig für das interessieren, was um sie herum vorgeht, es sei denn, sie sind unmittelbar davon betroffen. Unter der Last eigener Probleme neigen sie oft dazu, ernsthafte, die gesamte Gesellschaft betreffende Gefährdungen zu ignorieren oder zu verharmlosen, manchmal etwas naiv nach Merkel mit den Worten: „Wir schaffen das!“

Werden sie in ihrem Irrgarten immer wieder enttäuscht, dann heißt es schließlich: „Alles ist sinnlos, nach mir die Sintflut!“ Gleichgültigkeit bezüglich gesellschaftlicher Entwicklungen ist die Folge, die nicht selten mit dem Wort Toleranz beschönigt wird.


Der Mensch im Irrgarten seiner Hoffnungen

Es reden und träumen
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen,
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung !

Friedrich Schiller

Wie in Rom außer den Römern noch ein Volk von Statuen war,
so ist außer dieser realen Welt noch eine Welt des Wahns,
viel mächtiger beinahe,
in der die meisten leben.

Johann-Wolfgang von Goethe


Bei Diskussionen um politische Themen, über Religionen, Ideologien, über das, was in einer Gesellschaft als richtig und falsch zu bewerten sei, kann man immer wieder feststellen, dass auf der Basis vager und oft überhöhter Hoffnungen argumentiert wird. Man gewinnt dabei den Eindruck, dass es vor allem derartige Hoffnungen sind, die vielen Menschen den Blick für die Wirklichkeit verstellen, sie zu gut gemeinten, aber keineswegs vernünftigen Handlungen verleiten und dass wirklichkeitsfremde Ideologien besonders bei den Menschen gut ankommen, die durch vergebliches Hoffen verunsichert nach Orientierungshilfen suchen. Hoffen macht leichtgläubig, denn Aussagen, welche eine Hoffnung nähren, werden gerne angenommen. Zu den Skeptikern bezüglich allzu großer Hoffnungen gehören die Konservativen. Diese sind normalerweise nicht so von Hoffnungen abhängig wie viele Zeitgenossen, für die ein Leben ohne Hoffnungen auf ein besseres Dasein und eine insgesamt bessere Welt bedrückend erscheint, denen es deshalb schwer fällt, lieb gewonnene Wunschvorstellungen aufzugeben, wenn erkennbar wird, dass sie nicht zur Realität passen. Für diese gilt das alte deutsche Sprichwort:

Je dürrer die Zeit, desto grüner die Hoffnung.

Wie sehr Menschen auf unrealistische Hoffnungen setzen können, zeigte der Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten Obama. Schilder mit „hope“ und „yes we can“ brachten den Wahlsieg.

Manch einer hofft auf etwas, das ihm hilft, von dem allzu Alltäglichen abzuheben und hat Angst, in seinem Leben das „eigentlich Wichtige“ zu versäumen. Dies geschieht nicht selten mit dem Hinweis: Man lebt nur einmal!“ Er ist sich seiner Vergänglichkeit bewusst und möchte Spuren hinterlassen. Seine Hoffnungen lenken den Blick von den wirklichen Gegebenheiten ab, bringen Enttäuschungen mit der Folge, dass auf eine schöne Zukunft gesetzt wird - man soll nach vorne schauen, das ist Vertröstung auf ein „Jenseits“ im Diesseits. In der Bereitschaft, etwas zu erreichen, oft ohne klare Zielsetzung, wird nur wenig darauf geachtet, welche Erinnerung eine Handlung hinterlässt. Bei wenig erfreulichen Erinnerungen müssen Hoffnungen auf bessere Zeiten zum Ausgleich herhalten. Wie ein süchtiger Glücksspieler tröstet sich manch einer mit erneuten Glückshoffnungen über Enttäuschungen hinweg und schenkt mit dem Blick nach „vorne“ den Dingen seiner Umgebung und seinen Erinnerungen wenig Beachtung. Er lebt nach den Worten des bekannten Erzählers Wilhelm Raabe (1831-1910) mit „der ewigen Illusion, dass das Leben noch vor ihm liege“. Wilhelm Raabe merkte an: „ Das Leben liegt immer hinter einem !“

Ist die Annahme berechtigt, dass der Mensch der Gegenwart mehr als seine Vorfahren von Hoffnungen geleitet wird und damit von der Realität abrückt ?

Für ein „Ja!“ spricht die Tatsache, dass die Menschen unseres Kontinents in den letzten Jahrhunderten mehr und mehr von traditionellen Lebensformen abwichen. Der normale Mitteleuropäer vor etwa 400 Jahren richtete sich vorwiegend nach Vorbildern; er übernahm die Lebensweise seiner Vorfahren. Die Tradition war maßgebend. Der Vater war Bauer oder Handwerker, der Sohn trat fast immer in die Fußstapfen des Vaters und setzte dessen Tätigkeit fort, wobei er sie neuen Gegebenheiten anpasste und nach neuen Erfahrungen und Einsichten verbesserte, denn der Mensch neigt dazu, sein Verhalten zu variieren, wobei ihm immer wieder Verbesserungen in den Sinn kommen, die ihn zur Realisierung drängen. Sehr wahrscheinlich wurde eine Verbesserung meistens als Glücksfall und nicht als Erfüllung einer Hoffnung erlebt. Es war ein von Erfahrungen geprägtes Leben mit fortwährender Rückschau auf das Erlebte und viel Aufmerksamkeit für die Mitmenschen, denn man war auf gegenseitige Hilfeleistungen angewiesen und darauf aus, sinnvolles Verhalten anderer nachzuahmen. Schicksalsschläge und Unpässlichkeiten wurden oft als von Gott gegeben hingenommen. Der in Traditionen lebende Mensch, der immer wieder um das Lebensnotwendige ringen musste, war konservativ eingestellt, er orientierte sich am Bewährten, an eigenen positiven Erfahrungen und hatte wenig Sinn für Zukunftsträume. Als er von traditioneller Lebensweise abwich, es ihn in die Städte trieb mit ihren Manufakturen und Fabriken, begann er überlieferte Verhaltensmuster zu hinterfragen, er wurde ein Suchender, er suchte Beweggründe für sein Handeln und schließlich einen Grund für sein gesamtes Leben, einen sogenannten Lebenszweck und fragte mehr als seine Vorfahren nach den für ein zufriedenstellendes Leben notwendigen und hinreichenden Bedingungen - von Aufklärung war die Rede, nach Immanuel Kant „ein Ausgang (eine Befreiung) aus selbstverschuldeter Unmündigkeit“.

Das Ende der Tradition war die Stunde der Philosophie (Rüdiger Safranski). Was ist Philosophie ? Der Dichter Victor von Scheffel hat in seinem amüsanten, historistischen Roman Ekkehard eine Antwort gegeben, über die man schmunzeln kann. Den Führer eines räuberischen, ungarischen Reiterhaufens lässt er während der Plünderung des Klosters Reichenau sagen:

Ein schönes Weib ist's nicht, auch kein gebranntes Wasser. Es ist auf hunnisch schwer zu beschreiben. Wenn einer nicht weiß, warum er auf der Welt ist, und sich auf den Kopf stellt, um's zu erfahren, das ist ungefähr, was die im Abendland Philosophie heißen.

Ideologien wurden geschaffen, die den Blick immer mehr in die Zukunft lenkten. Der Mensch möchte wissen, was auf ihn zukommt, entwirft zu diesem Zweck vereinfachte Weltbilder, die Voraussagen ermöglichen sollen. Er bedenkt hierbei nicht immer, dass die daraus gezogenen Schlüsse Vermutungen sind, die nicht zur Rechtfertigung unumkehrbarer gesellschaftlicher Änderungen genommen werden dürfen.

Arbeitsteilung und technische Hilfsmittel machten es möglich, dass die Menschen sich ihren Lebensunterhalt erheblich leichter erwirtschaften konnten als diejenigen, die vor ihrer Zeit lebten. Sie gönnten sich nun Wunschträume, die nicht mehr zur Realität passten und bangten um deren Verwirklichung - man denke an die Romantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Hoffnungen auf eine beglückende Zukunft wurden geweckt, Enttäuschungen folgten.


Caspar-David-Friedrich (1774 -1840), Die gescheiterte Hoffnung

Die Hoffnung ist die Mutter der Resignation. Wer sich von unrealistischen Hoffnungen leiten lässt, für den wird das folgende spanische Sprichwort zur bitteren Wahrheit:

Wer von der Hoffnung lebt, stirbt an Verzweiflung.


Ich bin ein unglückselig Rohr:
Gefühle und Gedanken
Seh' rechts und links, zurück und vor,
In jedem Wind, ich schwanken.



Da liegt nichts zwischen Sein und Tod,
Was ich nicht schon erflehte:
Heut bitt' ich um des Glaubens Brot,
Daß morgen ich's zertrete;



Bald ist's im Herzen kirchenstill,
Bald schäumt's wie Saft der Reben,
Ich weiß nicht, was ich soll und will;
Es ist ein kläglich Leben!

Dich ruf' ich, der das Kleinste du
In deinen Schutz genommen,
Gönn meinem Herzen Halt und Ruh,
Gott, laß mich nicht verkommen;



Leih mir die Kraft, die mir gebricht,
Nimm weg, was mich verwirret,
Sonst lösch es aus, dies Flackerlicht,
Das über Sümpfe irret!


Theodor Fontane


Das Glück (Glückseligkeit) wurde während der Zeit der Aufklärung zu einem zentralen Lebensziel erklärt. So schrieb z.B. der junge Mirabeau 1738 in einem Brief an einen Freund:

»Nun, mein Lieber, Sie denken unaufhörlich nach, Sie studieren, nichts übersteigt ihren geistigen Horizont, und Sie denken keine Sekunde daran, sich einen festen Plan für das auszuarbeiten, was unser einziges Ziel sein muss: das Glück.«

In der im Geist der Aufklärung verfassten Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wurde das „Streben nach Glück (pursuit of happiness)“ im Jahr 1776 als ein unveräußerliches Recht eines jeden Bürgers hervorgehoben.

So wird verständlich, dass in der Spätaufklärung die menschliche Empfindsamkeit in vielen Büchern thematisiert wurde wie z.B. in dem psychologischen Roman „Anton Reiser“ des Goethefreundes Moritz . Die Psychologie wurde als neue Wissenschaft eingeführt.

Es ist ein folgenschwerer Irrtum, wenn jemand meint, er könne sich willentlich derart in den Griff bekommen, dass er seine Gefühle und Empfindungen wunschgemäß steuern kann. Ein Glücksgefühl kann man nicht planmäßig herbeiführen, denn es ist ein seltenes unerwartetes Signal der Natur, mit dem zur Verbesserung des Orientierungsvermögens deutlich angezeigt wird: „Hier hast du etwas Gutes erfahren.“ Gefühle sind im Laufe der Evolution erworbene, genetisch bedingte Orientierungshilfen, durch welche die Dinge unseres Umfeldes und unsere Handlungen eine Bewertung und eine ihnen entsprechende Aufmerksamkeit erfahren. Sie zeigen eine Neigung zu bestimmten Verhaltensweisen an. Gefühle und Empfindungen wären keine Leitsignale, wenn man sie herbeiwünschen, bzw. vermeiden könnte. Sie wären dann mit den Lichtsignalen einer untauglichen Verkehrsampel vergleichbar, die von den Verkehrsteilnehmern mit Hilfe einer Fernsteuerung nach eigenem Gutdünken veranlasst werden können. Gefühle sind als arterhaltende Leistungen angelegt und dementsprechend in hohem Maße an gemeinschaftliches Leben geknüpft, an dem diejenigen nur wenig teilnehmen, die fortwährend darauf aus sind, ihr eigenes „Glück“ zu machen. Sie bewirken die Bildung von Familien und den Zusammenschluss von gleichgesinnten Menschen zu größeren Gemeinschaften und wecken das Interesse für Dinge, die für solche Gemeinschaften förderlich sind.


Das Glück, kein Reiter wird's erjagen,
Es ist nicht dort, es ist nicht hier;
Lern' überwinden, lern' entsagen,
Und ungeahnt erblüht es dir.

Theodor Fontane



Mit der Loslösung von traditionellen Lebensformen wird der Mensch in seinem Verhalten freier, er handelt sich damit aber leider auch ein hohes Maß an Unsicherheit ein, denn immer wieder sieht er sich zu Entscheidungen genötigt. Diese werden umso schwerer, je mehr man auf die Zukunft fixiert ist, die möglicherweise noch durch unrealistische Hoffnungen verklärt wird. Er lebt nicht mehr in einem gewissen Trott, wobei er beharrlich an die Fortsetzung seines Handelns denkt, er ist stattdessen oft unentschlossen, fragt sich immer wieder, ob es richtig sei, was er da gerade tut, ob es sinnvoll, zweckmäßig oder notwendig sei, ob es nicht etwas Besseres zu tun gebe. Häufig unterbleibt die Besinnung auf das Gegebene und somit auch eine richtige Beurteilung alltäglicher Ereignisse. Unsicherheit und eine zerrüttende Unstetigkeit ist die Folge. Manch einer hat Angst, er könnte etwas versäumen, weshalb es ihm schwer fällt, sich für etwas zu entscheiden, was ihn über lange Zeit, vielleicht sogar das Leben lang verpflichtet, wie z.B. die Gründung einer Familie. „Wie fühle ich mich ?“ Diese oder ähnliche Fragen stellt sich derjenige immer wieder, der, frei von existentiellen Sorgen, „Glück“ - vielleicht meint er Wohlbefinden - zu seinem Lebensziel erklärt hat.

In der Absicht, etwas schnell für sich zu erreichen bzw. zu erwerben, verzichtet er auf eine Rückbesinnung, neigt zur Hast, ärgert sich immer wieder über Hemmnisse und erlebt infolge unrealistischer Zielsetzungen Enttäuschungen. Wegweisende positive Erinnerungen stellen sich bei einer solchen Lebensweise kaum ein. Er ist oft gedanklich nicht so ganz bei seinem Tun und Wollen, ist dementsprechend offen für „dumme Gedanken“. Dies bringt Unsicherheit und dadurch Unbehagen, welches zu einem neuen Problem erklärt sehr leidvoll werden kann. Bei anhaltender Bereitschaft, Unangenehmes zu vermeiden, können geringe Befindlichkeitsstörungen zu schweren Belastungen werden, unter denen es schwer fällt, unbefangen aus sich herauszugehen. Ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend hält immer wieder davon ab. Es signalisiert: da ist erst noch ein Problem zu lösen. Wer sich kontrolliert mit der Absicht, unangenehme Empfindungen loszuwerden, benimmt sich genauso unsinnig wie ein frierender Mensch, der auf ein Thermometer starrt in der Hoffnung, dass es dadurch wärmer wird. Die Kälte wird ihm dabei noch unangenehmer. Mit Unsicherheit tauchen alte ungelöste Probleme im Gedächtnis auf. Das Leben kann so zu einem Kampf voller Niederlagen mit sich selbst werden, voller Ungeduld, nicht ohne Selbstmitleid und mit einer gewissen Aggressivität gegenüber anderen. Wer anhaltend mit Bereitschaft lebt, Unangenehmes abzuwehren, der neigt nicht dazu, das eigene Verhalten zu variieren. Für ihn kann sein Fehlverhalten zum Normalfall werden, weil er keinen anderen Lebensstil erlebt. Die Besonderheit seines Verhaltens kann er dann auch nicht erfassen, denn dies ist nur im Vergleich mit anderen selbst erlebten Lebenseinstellungen möglich. Für die Unzufriedenheit, die dieser Lebensstil mit sich bringt, werden dann oft die sogenannten „Übel“ dieser Welt verantwortlich gemacht, für die dann eine besondere Sensibilität entwickelt wird.

»Der Mensch von heute leidet darunter, daß er nicht mehr leiden will, genau wie man krank darüber werden kann, ständig der perfekten Gesundheit nachzujagen. Unsere Zeit erzählt im übrigen eine seltsame Geschichte: die einer ganzen Gesellschaft, die sich dem Hedonismus verschrieben hat und für die alles zur Lust und zur Qual wird. Das Unglück ist nicht allein Unglück: es bedeutet, schlimmer noch, das Scheitern des Glücks.«

Pascal Brucker in seinem Buch „Verdammt zum Glück“

Es gibt schlimme Vorstellungen, die uns bis zum Lebensende ängstigen können, vor allem dann, wenn wir immer wieder vergeblich dagegen ankämpfen. So denkt ein Hypochonder fortwährend daran, wie er eine gefährliche Erkrankung ausschließen kann, verharrt dabei wie gebannt in anhaltender Selbstkontrolle bei seinen schlimmen Vorstellungen und sieht sich unter dem Eindruck der sich dabei einstellenden Befindlichkeitsstörungen in seinen Befürchtungen bestätigt. Jemandem, der nichts Unangenehmes auf sich nehmen will, fällt es schwer, solche Befürchtung einfach hinzunehmen, das heißt: sich nicht damit beschäftigen. Aber bei einer solchen Hinnahme werden die belastenden Probleme von seiner Natur schließlich als unwichtig bzw. nicht behebbare Übel eingestuft mit der Folge, dass die Aufmerksamkeit dafür schwindet. Man spricht in einem solchen Fall von Gewöhnung.

Beim gedanklichen Durchspielen seiner Möglichkeiten kann sich ein Mensch als riskantes, zu schlimmem Fehlverhalten fähiges Wesen erkennen. Wenn er versucht, derartige Risiken für sich auszuschließen, dann benimmt er sich wie der erwähnte Hypochonder. Er kommt von seinen unseligen Gedanken nicht mehr los. Er sollte wissen, dass der BegriffFreier Wille“ mit der Bedeutung:ich bin Herr meiner selbst“ , nicht haltbar ist. Der Begriff könnte für die Tatsache stehen, dass man in der Lage ist, Bedingungen zu erkennen, die das Fühlen, Denken und Handeln deutlich beeinflussen, und dass man mit Aufmerksamkeit für dieses und jenes sein Verhalten lenken kann.

Ein ehemaliger Fahrschüler erzählte von einer besonderen Bedrängnis durch einen törichten, unsinnigen Gedanken während einer Eisenbahnfahrt zur Schule. Es kam ihm die Idee, er könne die über ihm angebrachte Notbremse ziehen. Daraufhin suchte er nach Gründen, die gegen ein solches Tun sprechen, wobei seine Aufmerksamkeit für den abwegigen Gedanken so groß wurde, dass er angesichts eines drohenden Fehlverhaltens fast panikartig in ein anderes Abteil ging. Wir neigen zur Panik angesichts einer großen Gefahr, der wir anscheinend nicht entrinnen können. Es wird mit äußerster Heftigkeit die Handlung (meistens ein Fluchtversuch) ausgeführt, an die wir gerade denken. Die Natur hat uns mit der Neigung zu einem solchen Verhalten ausgestattet, weil wir uns damit manchmal in aussichtslos erscheinender Lage retten können.

Verhängnisvoll wird es, wenn eigenes Fehlverhalten befürchtet wird, denn dies kann dann zu einer Panikreaktion werden. Man denke an einen Bergwanderer an einem Abgrund, den plötzlich die Angst vor einem lebensgefährlichen Fehltritt packt. Wenn seine Aufmerksamkeit ganz dieser Befürchtung gilt, dann spürt er eine zwanghafte Neigung dazu, ein Unfall wird wahrscheinlicher, denn je größer die Aufmerksamkeit für ein Vorhaben ist, desto höher ist die Neigung zur Ausführung.

Vermutlich kann mancher Amoklauf als eine solche Panikhandlung gedeutet werden, wie z.B. der von dem Piloten Andreas Lubitz am 24.3.2015 herbeigeführte Flugzeugabsturz einer Germanwings-Maschine mit ca. 150 Passagieren.

Nach den FOCUS Online-Nachrichten vom 17.3.2016 schrieb Andreas Lubitz im Jahr 2008 in sein Tagebuch:

»lieber Herrgott im Himmel … die vergangenen Wochen und Monate waren mit Sicherheit die schlimmsten und schwersten meines Lebens … BITTE hilf mir ... gib mir die Kraft, die bösen Gedanken zu vertreiben.«

In der Sprache streng gläubiger Christen sind beängstigende Vorstellung eigenen Fehlverhaltens Versuchungen des Teufels (Sünden), von denen sich Mönche früherer Zeiten durch Geißelung, sie nannten es Teufelsaustreibung, ablenkten. Der Reformator Martin Luther muss besonders heftig unter solchen Teufeln gelitten haben.

In der Luther-Biographie des Historikers Hellmut Diwald ist Folgendes zu lesen:

»Allerdings blieben Anfechtungen und, depressive Attacken auch in höherem Alter nicht aus. Anfang der zwanziger Jahre hatte er (Luther) oft Schlafmittel dagegen versucht. Jetzt griff er zu einer anderen Methode. Wenn er den Vorboten, den ersten dunklen Anhauch verspürte, zwang er sich gegen jeden Appetit zu unmäßigem Essen, ließ sich vollaufen mit Bier - das sollte außerdem noch besonders gut gegen seine Nierensteine sein. Da dieses Völlern aber nicht aus Lust, sondern aus Not und Unlust geschah, um den »Bauch so vollzuhalten wie den Kopf« und damit dem Teufel den Besitz auch der kleinsten Ecke seines Inneren streitig zu machen, bezeichnete es Luther als ein »Fasten«.

Hat Luther mit dieser Aussage eine Erklärung für die heute weitverbreitete Fettsucht geliefert? Es sieht so aus, als ob ein praller Bauch weniger als ein normaler mit beklemmenden Gefühlen die Lösung ungelöster Probleme anmahnt und dass deshalb viele Menschen zu maßlosem Essen neigen. Eine große Masse macht sowohl physisch wie psychisch träger und damit weniger störungsanfällig. So ist der Wunsch des römischen Diktators Julius Cäsar zu verstehen: Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein!“

„Es muss sich etwas irgendwie ändern!“ Zu dieser völlig unklaren Forderung neigt jemand nach vielen vergeblichen Kämpfen gegen die eigene Missstimmung. In seiner Ratlosigkeit zieht er sich möglicherweise mehrere Ringe durch die Nase, lässt sich tätowieren, nimmt Drogen, neigt zu unmäßigem Essen oder kauft Dinge, die er nicht benötigt; er kann aber auch zu selbstzerstörerischen Panikhandlungen neigen Behagt ihm seine eigene Lebensweise nicht, dann kann er zu vielen unsinnigen Tätigkeiten verleitet werden, wenn diese ihm mit einem gewissen propagandistischen Aufwand als gut vorgestellt werden. In Frage kommt ein Kampf gegen angeblich Böses.

So ist der in Deutschland übliche Kampf gegen Rechts zu verstehen, der in seinen Auswüchsen auch als Zeugnis einer beängstigenden Dummheit zu werten ist. Das „Böse“ muss man finden, denn im Kampf dagegen kann man sich als eine/ein „Gute/Guter“ erweisen. Die vielen mit sich selbst unzufriedenen Empörungsautomaten in den Kreisen der Gutmenschen erhalten die Möglichkeit, ihre immerwährende Bereitschaft zur Empörung auszuleben.

Der FAZ-Journalist Markus Günther schrieb am 18.2.2015 in der Online-Ausgabe seiner Zeitung:

»Nichts tut so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen. Denn dann steht man garantiert auf der richtigen Seite. Das Repertoire ist beträchtlich: Es gibt den Rock gegen Rechts und das Rappen gegen Rechts, natürlich singen und schreien gegen Rechts, aber auch Faschingskostüme gegen Rechts und Fußballspiele gegen Rechts. Die „Grüne Jugend“ in Hamburg lädt regelmäßig zum „Feiern gegen Rechts“, ein politisches Angebot, das übrigens von den jungen Leuten sehr gut angenommen wird, und die Kinder der Klasse 7b des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums im westfälischen Warendorf tanzen sogar gegen Rechts - früh übt sich, was ein Antifaschist werden will. Schwer messbar ist dagegen der Erfolg der mutigen Kampagne der DGB-Jugend in Dortmund: „Kein Sex mit Nazis“. Und womöglich vermischen sich unterschiedliche Beweggründe bei der Berliner Initiative „Laut ficken gegen Rechts“«


„Es muss irgendwie anders werden, gleichgültig wie !“ Dies ist vermutlich auch der Leitsatz von Merkel und Co., die meinen, Deutschland müsse alle diejenigen aufnehmen und versorgen, die an der deutschen Grenze das Wort „Asyl“ aussprechen können. Nur so ist zu verstehen, dass sie Millionen Menschen in unser Land hineinlassen wollen, denen unsere Kultur völlig fremd ist. Man denke an die ehemalige Vorsitzende der Grünen Karin Göring-Eckardt, früher wie Frau Merkel aktives Mitglied in der FDJ, die trotz Abbruch ihres Theologiestudiums als Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland tätig war. Göring-Eckardt, die auf der griechischen Insel Lesbos ein Flüchtlingsboot in Empfang nahm, sagte auf dem Parteitag der Grünen in Halle am 21.11.2015: „Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich drauf!“ Dieses Verhalten erinnert an ein kindliches Verhaltensmuster. Wenn ein kleines Kind mit Bauklötzchen etwas Großes aufbauen will, es ihm aber immer wieder misslingt, dann kann es derart zornig werden, dass es ein schon fast fertiges Bauwerk zerstört. Das hat Sinn, wenn der Neubeginn bessere Möglichkeiten eröffnet. Es ist aber falsch, wenn es schwerwiegende negative Folgen hat und die Ursache des Misslingens in einem selbst liegt. Politiker, die unsere Gesellschaft mit fremden Völkerschaften radikal verändern wollen, sind wie Kinder, die verärgert nicht nur das eigene Werk zerstören, sondern darüber hinaus auch noch das Haus der Eltern anzünden.


Schlusswort

Oswald Spengler geht in seinem „Untergang des Abendlandes“ davon aus, dass der Niedergang einer jeden Hochkultur genauso naturgesetzlich sei, wie die Alterung und der Tod eines Menschen. Angesichts dessen, was man gegenwärtig in Europa erlebt, kann man jedoch die Meinung vertreten, dass der Mensch für diesen Untergang selbst verantwortlich ist. Nicht mehr von Traditionen gelenkt lässt er sich von unrealistischen Wunschvorstellungen und Hoffnungen leiten. Er kann so leben, weil er dank der Leistungen seiner Vorfahren noch nicht um seine Existenz ringen muss. Ihm geht es vorwiegend darum, für sich etwas zu erreichen bzw. zu erwerben, wobei die Art und Weise nicht als wesentlich erachtet wird. Es unterbleibt die Besinnung auf das Zurückliegende und somit auch eine richtige Beurteilung alltäglicher Ereignisse. Ein befriedigender Lebensstil ist auf diese Weise nicht zu finden. So stellt sich viel Unangenehmes ein. Sein Leben kann zu einem Kampf dagegen werden. Mit der Absicht, sich wohl zu fühlen, kontrolliert er sich diesbezüglich fortwährend, erlebt sich deshalb nicht als normaler Mensch im Zusammenleben mit seinen Mitmenschen, sondern als einer, der durch Selbstkontrolle in sich gefangen den richtigen Blick für seine Umwelt verloren hat, der deshalb kaum Dinge findet , die ihn interessieren, die er richtig gerne hat und dementsprechend gegen widrige Umstände verteidigen möchte. Er will sich von allem Unangenehmen befreien. Da geht es auch um die im Leben nicht vermeidbaren Ungewissheiten, für die uns die Natur nur die Gewöhnung als Heilmittel anbietet. Es kann sich z.B. um die Befürchtung handeln, man könne schwer krank werden oder um die Ungewissheit über die eigene Existenz nach dem Tode. Sucht er hierbei Klärung, dann widmet er unlösbaren Problemen so viel Aufmerksamkeit, dass diese zu schweren Belastungen werden und Panikhandlungen auslösen können. Die Folge ist innere Leere (Burn-out). Nicht selten erhofft er dann vergeblich Hilfe von Psychologen, fanatischen Ideologen, Heilern und religiösen Fantasten; er ist empfänglich für das meistens dümmliche Gerede von Weltverbesserern und das weltfremde Geschwafel ranghoher Kirchenvertreter. Seinen Lebensstil erkennt er nicht als Grund für seine Unzufriedenheit. Die „Übel“ dieser Welt, wie z.B. Schadstoffe in Nahrungsmitteln, die angeblich von Menschen verursachte Erwärmung unserer Atmosphäre usw. macht er dafür verantwortlich und ist dementsprechend anfällig für Ideologien, Rezepten zur Schaffung einer völlig neuen besseren Welt.

Zu dem hier beschriebenen Phänomen passt das Wort „Reflexivkultur“ , welches der Psychiater Burkhard Voss in seinem Buch „Deutschland auf dem Weg in die Anstalt“ geprägt hat. In dem Vorwort zu diesem Buch schreibt der ehemalige SPD-Ministerpräsident und Bundesminister Wolfgang Clement:


»70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg geht es den Menschen in Deutschland so gut wie nie zuvor, sowohl im Vergleich zu anderen Epochen dieses Kontinents, als auch im Vergleich zu den meisten Ländern dieses Globus. Aber eine wachsende Zahl von Bürgern unseres Landes will die objektiven Verhältnisse offensichtlich nicht mehr wahrhaben. Sie reflektiert in einer Art Endlosschleife die subjektive Befindlichkeit und scheint sich in psychische Krankheitskonzepte wie Burn-out zu flüchten, rennt Gleichheitsutopien hinterher oder braucht für jeden Firlefanz einen Coach.«







Literaturverzeichnis

Konrad Lorenz: „Das sogenannte Böse“, Dr. G. Borotha-Schoeler-Verlag, Wien 1966

Konrad Lorenz: „Die Rückseite des Spiegels“, Piper&Co. Verlag, München 1973

Irenäus Eibl-Eibesfeldt: „In der Falle des Kurzzeitdenkens“, Piper-Verlag, München 1998

Rüdiger Safranski: „Das Böse“ Carl Hanser Verlag, München 1997

Pascal Bruckner: „Verdammt zum Glück. Der Fluch der Moderne“, Aufbau Verlag, Berlin 2001

Pascal Bruckner (aus dem Französischen von Michael Bayer):
Der Schuldkomplex: Vom Nutzen und Nachteil der Geschichte für Europa“ Pantheon-Verlag 2008

Pascal Bruckner: „Ich leide, also bin ich“ Büchergilde Gutenberg 1997

Ulrich Wickert: „Der Ehrliche ist der Dumme“, Hoffmann und Campe Verlag , Hamburg 1996

Karin Pfeiffer: „Wozu Grenzen ?“ Eigentümlich frei Nr. 126
Lichtschlag Medien und Werbung KG, Grevenbroich und Düsseldorf

John V. Denson: „Sie sagten Frieden und meinten Krieg“
(aus dem Englischen von Gerd Schultze-Rhonhof), Druffel&Vowinckel-Verlag, 2014

Werner Heisenberg: „Der Teil und das Ganze“ Piper-Verlag, München 1969

Gerhard Szczesny: „Das sogenannte Gute“, Rowohlt-Verlag, Reinbek bei Hamburg 1971

Oswald Spengler: „Der Untergang des Abendlandes“, C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 1923

Thomas Carlyle: „Arbeiten und nicht Verzweifeln“ Langewiesche Verlag 1919

Hellmut Diwald: „Luther“ Gustav Lübbe Verlag, 1982

Stefan Zweig: „Joseph Fouché: Bildnis eines politischen Menschen" , Insel Verlag 1929

Jan Fleischhauer: „Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“, Rowohlt-Verlag 2009

Steffen Martus: „Aufklärung, das deutsche 18. Jahrhunderrt“, Rowohlt-Verlag 2015

Burkhard Voss: „Deutschland auf dem Weg in die Anstalt (Wie wir uns kaputtpsychologisieren)“, SOLIBRO-VERLAG, Münster 2015

Joachim Hoffmann: Stalins Vernichtungskrieg, Verlag für Wehrwissenschaften, München 1995

Mathias Bröckers, Paul Schreyer: Wir sind die Guten (SPIEGEL Bestseller)“, Westendverlag, Frankfurt/Main 2014

Bernd Schwipper: Deutschland im Visier Stalins, Druffel-Vowinckel-Verlag, Gilching 2015













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